ARCHIV - 23.02.2018, Russland, Moskau: Der russische Präsident Wladimir Putin (M) und der damalige Ministerpräsident Dmitri Medwedew (l) nehmen an der Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten teil
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Interview - Militärexperte: Teilmobilmachung ist "Eingeständnis einer Niederlage"

In einer Fernsehansprache hat der russische Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung in seinem Krieg gegen die Ukraine angekündigt. 300 000 Reservisten sollen eingezogen werden. Michael Staack von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr ist sich sicher: Es gehe darum, entstandene "Lücken zu stopfen".

Nach Einschätzung von Michael Staack, Politikwissenschaftler an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, ist Waldimir Putins Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg ein Ausdruck von Not. "Putin reagiert damit darauf, dass die russische Armee im Grunde seit einem halben Jahr relativ erfolglos ist."

Stimmung schlecht, Soldaten unmotiviert

 

Die Stimmung sei nicht gut und es sei bisher nicht gelungen, zusätzliche Soldaten in die Ukraine zu schicken, die den Krieg verstehen und motiviert führen würden, so Staack. Der russische Präsident hatte am Mittwochmorgen angekündigt, dass 300 000 Reservisten eingezogen werden sollten, um russische Gebiete zu verteidigen und den Donbass zu befreien. Am Dienstag waren in den vier von Russland besetzten ukrainischen Regionen Volksabstimmungen über einen Beitritt zur Russischen Föderation angekündigt worden.

"Das ist eine Eskalation"

 

"Im Grunde ist das das Eingeständnis einer weiteren Niederlage oder eines weiteren Rückschritts", meint Staack. Die 300 000 zusätzlichen Soldaten sollten nun in den Kriegseinsatz kommen, aber: "nicht alle auf einmal, aber nach und nach". Das sei eine klare Eskalation.

Nach Gebietsgewinnen durch die Ukraine: Lücken stopfen im personellen Bereich

 

Aber ob sich das Kräfteverhältnis im Krieg entscheidend verändern werde, bezweifle er, so der Militärexperte. Die Waffenlieferungen des Westens arbeiteten für die Ukraine, russische Waffen seien dagegen offenbar weniger wirksam als angenommen. Hinzu komme, dass die russische Militärführung "eine Kaskade" von Fehlern gemacht habe, so Staack. Dies könne durch mehr Soldaten nicht relativiert werden. Aus seiner Sicht gehe es erst mal darum, "Lücken zu stopfen im personellen Bereich".

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