Nur in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses brennt am frühen Morgen Licht (Bild: dpa / Julian Stratenschulte)
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Interview - Der Strompreis als Hinweisgeber für die Krise

Die Rekordpreise für Gas treiben auch den Strompreis in die Höhe. Wie der Strompreis entsteht und warum dieser Mechanismus ein guter Indikator für die aktuelle Entwicklung ist, beantwortet Kora Töpfer von der Europäischen Strombörse in Paris.

Die aktuellen Strompreise liegen um ein Vielfaches über dem Niveau vor der Energiekrise. Der Trend der letzten fünf Monate zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Preise, erklärt Kora Töpfer, die sich an der Europäischen Strombörse zum Beispiel um die Regulierung des deutschen Marktes kümmert.

Strommarkt liefert Hinweise

Sie bezeichnet das Merit-Order-Modell als effizientesten Mechanismus zur Preisbildung. Danach bestimmt der teuerste Stromproduzent an der Börse den Preis. Günstigere Anbieter bekommen so die Möglichkeit, höhere Gewinne zu machen und einen Anreiz, den Preis zu senken.
Momentan gibt es jedoch eine Angebotskrise, sagt Töpfer. Die Strompreise seien so teuer, weil es ein drastisch reduziertes Angebot gibt: "Weniger Gas aus Russland, weniger Atomkraft aus Frankreich, weniger Wasserkraft aus Europa aufgrund von Dürre in diesem Sommer. Und quasi all das treibt die Strompreise hoch." Man habe es nicht mit einer Krise des Preisbildungsmechanismus am Strommarkt zu tun. Töpfer verweist auf den Strommarkt als Hinweissystem: "Der Strommarkt liefert jeden Tag aussagekräftige Preissignale. Und diese Preissignale sind gerade in der jetzigen Krise unverzichtbar. Die machen nämlich die aktuelle Lage transparent und sagen uns, zum Beispiel wie dringend es ist gerade jetzt Gas einzusparen oder wie dringend es ist, jetzt noch massiver den Ausbau der Erneuerbaren voranzutreiben."

Stromangebot erhöhen, Nachfrage senken

Erneuerbare Energien würden an der Europäischen Strombörse als eine Lösung dafür angesehen, den Strompreis zu senken. Damit könne man das Stromangebot erhöhen. Eine weitere Möglichkeit sei, die Nachfrage zu senken, wie es die Europäische Kommission mit ihren Energieeffizienzmaßnahmen plant. Zielgerichtete Einmalzahlungen an besonders stark betroffene Haushalte und Firmen würden nicht in den Strommarkt eingreifen, aber die Folgen steigender Preise abfedern.