Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Kiel führt an den Leitungen des Gasspeichers der Stadtwerke Messungen durch (Bild: dpa / Axel Heimken)
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Interview - Energieexperte Goldthau: Gasumlage muss schnellstens geprüft werden

Der drohende Bankrott des Gasunternehmens Uniper hat im Bundeswirtschaftsministerium erneut Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Gasumlage aufkommen lassen. Energieexperte Andreas Goldthau empfiehlt, die Umlage schnellstens zu prüfen, aber trotzdem weiter an ihr festzuhalten.

Die geplante Gasumlage der Bundesregierung wackelt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck befürchtet Probleme, falls Gasunternehmen, für die Kunden bereits die Gasumlage zahlen, zusätzlich vom Staat gerettet werden müssen. Die Rechtmäßigkeit der Gasumlage müsse sofort geprüft werden, fordert Andreas Goldthau, Forschungsgruppenleiter am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam.

Die Gasumlage sei bereits für Oktober geplant gewesen. Sollte es sich also herausstellen, dass es finanzverfassungsrechtliche Zweifel an der Umlage gibt, müssten diese schnellstens geklärt werden, um dann auch die endgültige Entscheidung über die Gasumlage an die Kunden weitergeben zu können, so der Energieexperte.

Volle Gasspeicher noch kein Grund zur Entspannung

 

Grundsätzlich empfiehlt Goldthau, weiter an der Gasumlage festzuhalten. Gaskunden und Unternehmen hätten sich inzwischen darauf eingestellt. Den Zweifel, den man damit schüre, wenn man das Instrument Gasumlage jetzt wieder zur Seite lege, könne auch einen erheblichen Schaden verursachen. Die Nachricht, dass die deutschen Gasspeicher inzwischen zu 90 Prozent gefüllt sind, gebe dabei nur bedingt Anlass zu einem entspannteren Umgang mit der Gasumlage.

"Um gut durch den Winter zu kommen, müssen drei Dinge zusammenspielen: Das Angebot an Gas muss stabil bleiben. Das Zweite ist, die Nachfrage muss sinken. Und das Dritte ist, die Gasspeicher müssen gefüllt sein, um die Spitzennachfrage abzudecken", erklärt Goldthau. Beim Angebot und der Speicherung sei Deutschland bereits auf einem guten Weg. Bei der Nachfrage, werde man das EU-weite Einsparziel von 15 Prozent aber wohl nicht erreichen.