Der Sarg von Queen Elizabeth II. liegt im Westminsterpalast (Bild: dpa / Vadim Ghirda)
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Interview - Wer trauert um die Queen?

Am Montag wird Elizabeth II. beigesetzt. Der 19. September wird damit zum nationalen Feiertag in Großbritannien. Doch Menschen, die bis heute vom Kolonialismus betroffen sind, trauern anders als der Großteil der Briten, sagt der Politologe Joshua Kwesi Aikins.

Der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins beschäftigt sich an der Universität Kassel mit Entwicklungspolitik und Postkolonialen Studien. Er beschreibt die Trauer um Queen Elizabeth II. differenzierter. Viele Menschen mit kolonialer Vergangenheit würden um Angehörige trauern, um Jahrhunderte der Gewalt und Vertreibung, die sie mit dem Königshaus in Verbindung bringen. Die Nachwirkungen würden bis heute andauern. Die Mehrzahl der sogenannten Untertanen und Ergebenen des Königshauses leben nach wie vor in den früheren Kolonien, so Kwesi Aikins. Er verweist auf eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte von Menschen aus Kenia. Diese seien bis in die 60er Jahre, bis in die Regentschaft der Queen, von ihrem Land gewaltsam vertrieben worden.

Nachfolger der Queen als Chance

Kwesi Aikins betont, es gehe nicht darum, eine einzige Person zu kritisieren oder sich pietätlos zu äußern, sondern sie als Repräsentantin einer Institution wahrzunehmen. Kritische Stimmen werden mittlerweile mehr gehört, so der Politologe. Man sehe das am Beispiel der Karibik, wo Mitglieder der Königsfamilie bei Reisen vermehrt auf Kritik gestoßen sind. Es sei an der Zeit, sich zu entschuldigen und die Verantwortung zu übernehmen. Man dürfe nicht vergessen, dass das Königshaus auch privat seit Jahrhunderten finanziell vom Kolonialismus profitiert hat, so Joshua Kwesi Aikins. Er sieht King Charles III. nun in der Verantwortung, den Wandel einzuleiten.