Ein Bundeswehrsoldat blickt auf ein Awacs-Flugzeug des multinationalen NATO E-3A-Verbands auf dem Flugfeld Mazar-e Sharif (Bild: IMAGO / imagebroker)
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Interview - Erste Sitzung der Enquete-Kommission zum Afghanistaneinsatz

Am Montag nimmt eine Enquete-Kommission des Bundestags ihre Arbeit auf, die Lehren aus dem 20-jährigen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ziehen soll. Bundeswehroberst André Wüstner erhofft sich neue Ansätze für zukünftige Missionen.

Die Enquete-Kommission des Bundestags soll die Grundlage für das Gelingen künftiger deutscher Auslandseinsätze schaffen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes André Wüstner verweist auf wissenschaftliche Berichte und die Erfahrungen von Soldatinnen und Soldaten, die bei der Auswertung des Afghanistan-Einsatzes berücksichtigt werden sollten. Es sei klar belegt, dass gerade zu Beginn und zum Ende der Mission einiges schief lief.

Umfassendere Abstimmung aller Bereiche

Laut Wüstner setzen sich Soldatinnen und Soldaten für den sogenannten "vernetzten Ansatz" ein, ein ressortübergreifendes Wirken von Militär, Diplomatie und anderen Bereichen. "Was helfen gut ausgebildete Streitkräfte, wenn die dann später von einer wie auch immer gearteten Regierung nicht aufgenommen werden oder man sich gegenseitig akzeptiert beispielsweise. Oder wenn man entwickelt in eine Richtung, wo aber eigentlich Warlords und Regierungsgegner sozusagen die Hoheit haben. Und das gilt es abzustimmen." Wüstner, der selbst in Afghanistan war, sagt, diese Abstimmung habe zwar Ort auf der untersten taktischen Ebene einigermaßen geklappt, aber nicht in Berlin oder international. Wenn man ein Ziel erreichen will, müsse man sich umfassender besprechen.

Aufarbeitungswille ist da

Wüstner lobt den Aufarbeitungswillen der Bundesregierung. Es gebe nicht viele Länder, die die Absicht hätten, den Afghanistan-Einsatz so intensiv aufzuarbeiten und sich damit vermutlich auch zu Fehlern zu bekennen.

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ARCHIV, Afghanistan 2021: Das Handout der Bundeswehr zeigt einen Militärtransporter C17, der vom Feldlager in Masar-i-Scharif Richtung Deutschland fliegt (Bild: Torsten Kraatz/Bundeswehr/dpa)
Torsten Kraatz/Bundeswehr/dpa

Zwölfzweiundzwanzig - Afghanistan-Einsatz - Chronik eines angekündigten Scheiterns

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