Ein Hund läuft an einem zerstörten Militärfahrzeug in der kürzlich zurückeroberten Stadt Isjum vorbei.
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Interview - Militärexperte: NATO ist auf langen Krieg eingestellt

Die Ukraine hält dem russischen Angriffskriegs weiterhin stand. Es gelang ihr kürzlich sogar, einige Gebiete im Osten des Landes zurückzuerobern. Die Stärke der ukrainischen Armee liege in ihrem Führungsstil und an ihrer Fähigkeit, gut und schnell an Informationen zu kommen, sagt Ralph Thiele, Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft.

Die meisten Experten seien überrascht gewesen, wie lange sich die Ukraine gegen die russischen Angriffe wehren kann, so Thiele. "Es hätte eigentlich ein leichteres Unternehmen für Russland sein müssen - theoretisch. Aber das war es eben nicht", sagt der Oberst außer Dienst.

Während das russische Militär weiterhin einen autoritären, befehlstaktischen Führungsstil pflege, habe sich die Ukraine mit Hilfe von Kanada, Großbritannien und den USA vor einigen Jahren einen anderen Stil angeeignet, erklärt der Militärexperte. Dazu gehöre, dass die Armee sehr agil arbeite und zudem bekomme sie große Unterstützung - nicht nur in der Operationsführung, sondern auch in der Versorgung mit Nachrichten.

Auch ein Krieg der Informationen


"Es geht darum: Wer schneller weiß, was los ist und schneller agiert, hat gewonnen", sagt Thiele."Und mit dieser Fähigkeit können sie in Unterzahl gleichwertig operieren, in Teilen - regional, lokal - sogar überlegen sein." Es sei ein "Paukenschlag", dass die Ukraine Gebiete zurückerobert habe, so der Vorsitzende der Politisch-Militärischen Gesellschaft.

Die Euphorie der betroffenen Menschen darüber sei nachvollziehbar. "Es ist schlimm, in so einem Krieg - insbesondere wenn da ein Abnutzungskrieg mit Artillerie stattfindet - standzuhalten", sagt Thiele. Man müsse jedoch erst sehen, wie es nun weitergehe. Die NATO und der Westen hätten sich darauf eingestellt, dass der Krieg mehrere Jahre dauern wird.

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