Das Hinweisschild "Einstieg nur mit Maske" wird an der Tür eines Zuges angebracht (Bild: dpa / Sebastian Gollnow)
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Interview - Virologe Stürmer zu Corona-Maßnahmen: "Viel Verantwortung auf die Länder abgeschoben"

Am Freitag hat auch der Bundesrat dem neue Infektionsschutzgesetz der Regierung zugestimmt. Für den Virologen Martin Stürmer wurde bei den neuen Schutzmaßnahmen für den Herbst zu viel Verantwortung an die Länder abgegeben. Er befürchtet erneut einen Flickenteppich aus Corona-Regeln.

Lange hat die Ampelkoalition um eine gemeinsame Linie für die Corona-Schutzmaßnahmen für Herbst und Winter gerungen. Die FDP wollte möglichst wenig Vorschriften. SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach mahnte dagegen zu mehr Vorsicht. Am Freitag hat das neue Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung nun auch die letzte Hürde im Bundesrat genommen. Vor der Abstimmung warnte Virologe Martin Stürmer noch einmal vor einem erneuten Flickenteppich aus Corona-Regeln.

Ob die beschlossenen Schutzmaßnahmen, bei denen vor allem die Maskenpflicht im Mittelpunkt steht, ausreichen, hänge auch von der Virusvariante ab, die sich in Deutschland durchsetzt, erklärt der Leiter des IMD Labors in Frankfurt am Main. Wenn die Omikron BA.5 Variante, die man bereits sehr gut kenne, auch noch im Herbst und Winter dominant bleibe, könnten die beschlossenen Corona-Regeln genügen.

Erneut droht ein Flickenteppich aus Corona-Regeln

 

Grundsätzlich habe die Bundesregierung bei den Schutzmaßnahmen aber zu viel Verantwortung auf die Bundesländer abgeschoben, kritisiert Stürmer. "Es fehlen klare Vorgaben, wann die Länder in die Lage versetzt werden sollten, die Maßnahmen zu verschärfen." Damit bestehe erneut die Gefahr eines Flickenteppichs aus verschiedenen Corona-Regeln, warnt der Virologe. "Und das haben wir eigentlich in den vergangenen zwei Jahren gelernt, dass das nicht gut ist."

Schon jetzt sei absehbar, dass der Tiefpunkt der Sommerwelle überschritten sei. Die realen Infektionszahlen schätzt Stürmer zwei- bis dreimal höher ein als aktuell bekannt. Wie schlimm die Pandemie im Winter 2022 noch werde, hänge deswegen einerseits davon ab, ob es bei der Virusvariante noch eine Überraschung gebe und andererseits davon, wie die Gesellschaft jetzt die verfügbaren Omikron-Impfstoffe annehme und sich an die Maskenpflicht halte. "Wenn wir das alles richtig und gut machen, können wir relativ entspannt durch den Herbst und Winter kommen."