Ein digitaler Aussteller mit dem Schriftzug «Humboldt Forum» steht vor dem Stadtschloss Berlin, in dem sich das Forum befindet
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Interview - Humboldt Forum Intendant Dorgerloh: "Es geht um ein anderes Verhältnis zur Kolonialgeschichte"

Am Freitag wird der Ostflügel des Berliner Humboldt Forums als letzter Teil des Hauses feierlich eröffnet. Rund 20.000 weitere Objekte werden damit ab Samstag ausgestellt. Obwohl das Forum jetzt komplett sei, gehe die Aufarbeitung weiter, verspricht Generalintendant Hartmut Dorgerloh.

Als letzter Teil des Hauses werden am Freitag die beiden oberen Ostflügeletagen des Berliner Humboldt Forums feierlich eröffnet. Auf den 16.000 zusätzlichen Quadratmetern Ausstellungsfläche können Besucherinnen und Besucher ab Samstag dann noch einmal rund 20.000 weitere Objekte ansehen. Der Generalintendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, freut sich, dass nun auch die vierte und letzte Teileröffnung durchgeführt werden kann.

Objekte aus dem ethnologischen Museum und dem Museum für asiatische Kunst

 

Es sei zwar von Anfang an geplant gewesen, das Humboldt Forum in Etappen zu eröffnen. Trotzdem habe man wegen der Corona-Pandemie nicht so starten können, wie gewünscht, erklärt Dorgerloh. "Dass wir jetzt am Ende sind und das Publikum ab Samstag wirklich alle Etagen sehen kann, ist wirklich großartig."

Im Ostflügel werden auch die umstrittenen Benin-Bronzen zu sehen sein, die als Raubkunst in die ethnologische Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin kamen. Sie wurden inzwischen zwar an Benin zurückgegeben, werden aber als Leihgabe trotzdem im Humboldt Forum ausgestellt. Es gehe hier auch darum, die Objekte des ethnologischen Museums und des Museums für asiatische Kunst auf andere Weise zu präsentieren, erklärt Dorgerloh.

Humboldt Forum soll Ort für Debatten bleiben

 

"Da geht es um ein anderes Verhältnis, nicht nur zur kolonialen Geschichte, sondern auch zu den Menschen aus den Ländern, aus denen diese Stücke stammen." Dafür werden am Wochenende Menschen aus Nord- und Südamerika, aus Indien und Nigeria im Humboldt Forum zu Gast sein, um mit den Besuchern über die Ausstellungsobjekte zu sprechen.

"Das Humboldt Forum ist zwar jetzt komplett, aber wir sind natürlich nicht fertig, sondern wir fangen ja jetzt erst an", erklärt der Generalintendant. Das Forum war und werde ein Prozess bleiben, bei dem es nicht darum gehe, schöne Stücke aus der ganzen Welt auszustellen, sondern um einen Dialog. "Wir hoffen, dass das Humboldt Forum auch zukünftig ein Ort ist, an dem miteinander debattiert und gestritten wird."

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Ein Journalist fotografiert zu Beginn einer Pressekonferenz vor der letzten Teileröffnung des Humboldt Forums die sogenannten Benin Bronzen.
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Mit dem Ostflügel ist am Freitag der letzte Teil des Humboldt Forums in Berlin eröffnet worden. Unter den rund 20.000 Exponaten der Ethnologischen Sammlungen und des Museums für Asiatische Kunst sind auch die umstrittenen Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria. Von Barbara Wiegand