Fahrgäste stehen am Berliner Bahnhof Ostkreuz am Bahnsteig (Bild: dpa / Christoph Soeder)
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Interview - Fahrgastverband Berlin: Bund und Länder müssen ernsthaft an Nachfolgeticket arbeiten

Der Fahrgastverband Berlin kritisiert, dass sich Brandenburg nicht am Berliner 29-Euro-Ticket beteiligen will. Verbandssprecher Jens Wieseke findet die Brandenburger Haltung unverständlich. Er fordert, dass Bund und Länder jetzt ernsthaft an einem bundesweiten Ticket ab Januar arbeiten.

Der Fahrgastverband Berlin ist nicht zufrieden mit der Entscheidung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg nur für Berlin ab Oktober ein 29-Euro-Ticket einzuführen. Das Ticket sei zwar eine Entlastung für ein paar Hunderttausend Berliner, findet Fahrgastverbandssprecher Jens Wieseke. Aber schon Menschen, die ein Monatsticket für den Tarifbereich ABC brauchen, würden nicht mehr von dem 29-Euro-Ticket profitieren, das nur für den Berliner Tarifbereich AB gelten soll.

Außerdem sei Brandenburg beim 29-Euro-Ticket völlig außen vor, kritisiert Wieseke weiter. Das sei mehr als schade und auch völlig unverständlich. Der Fahrgastvertreter bemängelt ebenfalls den bürokratischen Mehraufwand im Vergleich zum 9-Euro-Ticket, da das 29-Euro-Ticket nur als Abo und auch nicht an jedem Automaten und in den Apps der VBB und BVG gekauft werden könne.

Bundesweite Nachfolgelösung ab Januar 2023 gefordert

 

Wieseke hätte sich stattdessen lieber ein gemeinsames Ticket für Berlin und Brandenburg gewünscht. Der Fahrgastverbandssprecher bringt ein 49-Euro-Ticket ins Spiel, das dann auch für den Bereich Berlin ABC und für Brandenburg hätte gelten können, wenn das 29-Euro-Ticket tatsächlich, wie berichtet, aus finanziellen Gründen keine Option für Brandenburg gewesen sei. "Es gibt auch Leute in Cottbus und Frankfurt an der Oder, die steigende Kosten haben."

Der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes fordert deswegen, dass Bund und Länder jetzt ernsthaft an einer Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket ab Januar 2023 arbeiten. Er wisse noch nicht, ob das realistisch sei, hoffe jedoch das man ab Januar für alle ÖPNV-Nutzer und -Nutzerinnen eine gute Lösung parat habe.