Großbritannien trauert um die Queen
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Interview - Tod der Queen: Briten haben Zukunftsangst

Das Vereinigte Königreich trauert um Queen Elizabeth II. Ihr Tod sei ein tiefer Einschnitt in der britischen Geschichte, sagt der Politikwissenschaftler Anthony Glees. Das Land blicke nun in einer Zeit der Krise mit Sorge in eine ungewisse Zukunft.

In die Trauer um die Königin mische sich auch Zukunftsangst, sagt Glees. Die Monarchie halte Großbritannien zusammen. Für Charles werde dieser Job sehr schwer werden, ist der Politikwissenschaftler überzeugt.

Charles' erste Rede als König sei für seinen Geschmack viel zu emotional gewesen. "Wir brauchen eine Stabilität, wir brauchen Vernunft, nicht Emotionen", sagt Glees. "Die Königin hätte eine solche Rede nicht gehalten."

Glees: Tod der Queen fällt in eine Zeit der Verwirrung

 

Der Politikwissenschaftlerin erwartet, dass die republikanischen Tendenzen im Commonwealth nach dem Tod der Monarchin zunehmen werden. "Wir kommen jetzt in eine neue Zeit, und um eine neue Zeit zu meistern, muss man mit neuen Gedanken und neuen Institutionen ankommen", sagt Glees. Eine solche neue Institution sei die Europäische Gemeinschaft, die Großbritannien mit dem Brexit verlassen hat. Die britische Regierung sehe die Commonwealth-Länder als eine Art Ersatz für die EU. "Aber ob das der Realität entspricht, ist fraglich." Das Commonwealth werde höchstwahrscheinlich auseinanderbrechen.

Glees sieht Großbritannien durch die aktuellen Krisen tief verunsichert. "Und gerade in Zeiten der Verwirrung ist die Monarchie sehr wichtig." Mitten in diese Zeit falle jetzt der Tod der Queen, "einer wirklich außergewöhnlichen Frau".

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