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Interview - Nachhaltigkeitsforscher: Mit Fleischverzicht gegen Hunger in der Welt

Der Krieg in der Ukraine und die Klimawandel verschärfen die Krise im globalen Ernährungssystem. Der Nachhaltigkeitsforscher Hermann Lotze-Campen empfiehlt einen stark reduzierten Fleischverbrauch - das würde Druck von den Getreidemärkten nehmen und zur Senkung der Preise beitragen.

Klima-Extreme und die Folgen des Ukrainekrieges haben das globale Ernährungssystem ist in der Krise gestürzt. Ein "Sofortprogramm gegen Hunger" sowie eine neue Ernährungs- und Agrarpolitik fordern deshalb Vertreter vom UN-Welternährungsprogramm, von der Hilfsorganisation Misereor sowie Experten.

Der Agrarwissenschaftler und Nachhaltigkeitsforscher Hermann Lotze-Campen leitet den Forschungsbereich "Klimawirkung und Vulnerabilität" am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Seiner Meinung nach sei es vor allem wichtig, die weltweiten Agrarmärkte offen zu halten und die ärmsten Teile der Weltbevölkerung mit Nahrungsmittel- und Finanzhilfen zu unterstützen.

Empfehlung: Fleischverbrauch um die Hälfte reduzieren

Auf lange Sicht sei es sehr wichtig, bei der Tierhaltung anzusetzen, so Lotze-Campen: "Die Hälfte unserer Ackerflächen werden zur Produktion von Futtermitteln genutzt. Die Reduktion der Tierhaltung könnte natürlich den Druck von den Getreidemärkten weltweite nehmen und damit auch zur Senkung der Preise beitragen."

Der Verbrauch von Fleisch und Milchprodukten müssten heruntergefahren werden, sagt der Wissenschaftler: "Ich würde empfehlen, den Fleischverbrauch sofort um die Hälfte zu reduzieren. […] Das würde zu einer gesünderen Ernährung führen und hätte positive Effekte auf Emissionsreduktion, Flächenverbrauch in der Landwirtschaft und eben diese Auswirkung auf die Agrarmärkte und Ernährungssicherheit weltweit."