Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).
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Interview - EZB erhöht Leitzins - IfW-Forscher: Wichtiger Zwischenschritt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins um weitere 0,75 Prozentpunkte angehoben - auf jetzt 1,25 Prozent. Mit dem größten Zinsschritt ihrer Geschichte will die EZB der hohen Inflation entgegenwirken. Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft findet die Entscheidung richtig, sie sei aber zu spät gekommen.

Es sei zwar noch nicht das Ende der Fahnenstange, aber die Leitzinserhöhung der EZB sei ein "wichtiger und notwendiger Zwischenschritt", sagt Stefan Kooths. Er ist beim Kieler Institut für Weltwirtschaft der Leiter des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum.

IfW-Forscher Kooths: EZB hat viel zu lange gewartet

 

Gleichzeitig kritisiert Kooths aber auch, dass die Europäische Zentralbank viel zu lange mit der Erhöhung gewartet habe. Die EZB habe den Eindruck vermittelt, die Inflationsdynamik sei ein reines Energiepreisproblem und man brauche nur abzuwarten. "Das haben wir schon seit längerem kritisiert. Denn wir sehen, dass sich auch andere Inflationstreiber entwickelt haben." Auch die Preise neben denen für Energie würden steigen.

Die Notenbank könne zwar kurzfristig die Inflationsrate mit der Entscheidung zur Leitzinserhöhung nicht beeinflussen. Sie könne aber mittelfristig den Menschen signalisieren, ob sie noch mit Geldwertstabilität rechnen können.

Hintergrund

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit einer historischen Zinserhöhung gegen die Rekordinflation im Euroraum. Erstmals in der Geschichte der Notenbank beschloss der EZB-Rat eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte. Damit steigt der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB leihen können, auf 1,25 Prozent, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die EZB stellte zugleich weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten in Aussicht.

Signalisiert hatte der EZB-Rat für seine September-Sitzung bereits frühzeitig eine weitere Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte. Doch weil die Teuerungsrate zuletzt weiter anzog, nahm der Druck auf die Euro-Währungshüter zu, einen größeren Schritt zu beschließen. Höhere Zinsen können steigenden Teuerungsraten entgegenwirken. - dpa