Das Kernkraftwerk Neckarwestheim.
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Interview - Energieexperte sieht Streit um Atomkraft als Phantomdebatte

Der Vorschlag von Wirtschafsminister Robert Habeck (Grüne), zwei Atomkraftwerke bis Mitte April als Notreserve vorzuhalten, geht vielen nicht weit genug. FDP und Union fordern eine Laufzeitverlängerung für die AKW. Laut Energieexperte Andreas Goldthau ist die Atomkraft aber keine große Hilfe in der Krise.

Robert Habeck (Grüne) stößt mit seinem Plan für die deutschen Atomkraftwerke auf Kritik. Der Bundeswirtschaftsminister hatte am Montag als Ergebnis des Stresstests vorgeschlagen, zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke bis Mitte April als Notreserve vorzuhalten. FDP und Union fordern stattdessen, die Laufzeiten der drei noch verbliebenen AKW regulär zu verlängern.

Für Energieexperte Andreas Goldthau vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam geht diese Diskussion jedoch am Kern der Sache vorbei. Man dürfe nicht nur auf die Angebotsseite schauen, "sondern wir müssen auch fragen, wie kann man die Nachfrage senken".

Energieexperte Goldthau: "Bündel an Maßnahmen notwendig"

 

Sparen sei das Gebot der Stunde, sagt Goldthau. "Ein Bündel an Maßnahmen ist notwendig, um eine kritische Situation zu meistern. Und eben nicht nur der Blick auf zwei Kraftwerke, die im Mix verbleiben."

Die Diskussion um die Zukunft der Atomkraft in Deutschland bezeichnet der Energieexperte als eine Phantomdebatte. Es brauche einen extrem langen Vorlauf, um neue AKW zu bauen oder den Betrieb wiederaufzunehmen. Wichtiger sei es, erneuerbare Energien auszubauen. Das könne schneller gelingen.

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Das Kernkraftwerk Isar 2 in Bayern.
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