In einer Schuklasse hilft eine Lehrerin einer Schülerin im Unterricht. Beide tragen Masken.
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Interview - Bildungsforscher: Aufholprogramm nicht effizient umgesetzt

In der Corona-Pandemie sind durch Homeschooling bei vielen Kindern große Bildungslücken entstanden. Das Programm "Aufholen nach Corona" der Bundesregierung soll ihnen helfen. Doch der Mitteleinsatz habe alles andere als zielgerichtet stattgefunden, sagt der Bildungsforscher Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin.

Eine Milliarde Euro hat der Bund nach dem Corona-Winter 20/21 für Schulen bereitgestellt, damit die durch die Pandemie entstandenen Lernlücken geschlossen werden. Die Effekte dieses Programms namens "Aufholen nach Corona" hat das Wissenschaftszentrum Berlin mit einer Studie begleitet.

Deren Leiter, der Bildungsforscher Marcel Helbig, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Sicherlich sei mit dem Aufholprogramm einigen Schülerinnen und Schülern geholfen worden, aber: "Zielgerichtet und effizient war der Mitteleinsatz wohl nicht." Das habe vor allem daran gelegen, dass es nicht einen Plan gegeben habe, sondern 16 Pläne, so Helbig: "Jedes Bundesland hat sein eigenes Aufholprogramm umgesetzt mit Landesmitteln zusammen und das hat dann ziemlich unterschiedliche Blüten getragen."

Berlin und Brandenburg rufen nur einen Bruchteil der Gelder ab

Was auf den ersten Blick verwundert: Berlin hat von 64 Millionen, die zur Verfügung standen, nur 28 angerufen, Brandenburg gar nur 15 von 69 Millionen. Das hätte unterschiedliche Gründe, sagt Helbig: Berlin hat man sich am Anfang extrem schwergetan, überhaupt ein Verfahren zu finden, dieses Geld auszureichen. Brandenburg hingegen habe eines der besten Programme aufgesetzt, finde jedoch kein Personal, um es umzusetzen.

Auch die Anschaffung neuer Gerätschaften von dem Geld sei nur bedingt sinnvoll, so Helbig: "Wenn die Lehrkräfte nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, dann bringen auch 30 iPads und ein Whiteboard schlussendlich nichts. Auch da muss ein Stück weit in die Weiterbildung gegangen werden."