Ein verwelkter Kranz mit einer israelischen Fahne liegt am Erinnerungsort Olympia-Attentat München 1972 im Olympiapark.
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Interview - Olympia-Attentat: "Man hat 40 Jahre lang geschwiegen"

Das Attentat auf israelische Sportler während der Olympischen Spiele in München 1972 jährt sich am Montag zum 50. Mal. Erst vergangene Woche hat die Bundesregierung den Hinterbliebenen Entschädigungszahlungen zugesagt. Man habe gerade noch die Kurve gekriegt, sagt der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU).

Der Umgang mit dem Attentat sei beschämend für Deutschland, sagt Spaenle. "Man hat 40 Jahre lang geschwiegen, getäuscht, beiseite geschoben." Erst vor zehn Jahren habe man begonnen, sich mit dem Anschlag zu beschäftigen.

"Man wollte es nicht wahrhaben, dass diese Bühne, die das junge demokratische Deutschland sein sollte, durch diesen Anschlag derartig getroffen wurde", sagt Spaenle. Deswegen habe unmittelbar danach ein kollektives Beschweigen begonnen. "Am meisten getroffen waren da natürlich die Hinterbliebenen und die Überlebenden."

Entschädigungszahlungen: "Gerade noch die Kurve gekriegt"

 

28 Millionen Entschädigung wird die Bundesregierung nun an sie zahlen. Zuvor habe man jahrzentelang Informationen zurückgehalten und nie auf Augenhöhe mit den Hinterbliebenen gesprochen. "Da hat man gerade noch die Kurve gekriegt", sagt Spaenle.

Es gehe dabei nicht nur um das Verhältnis zu Israel, sondern auch darum, wie Deutschalnd selbst mit einem solchen Verbrechen umgeht. "Das ist der schlimmste Terroranschlag und dessen Folgen auf deutschem Boden und das hat man bisher, wenn man so will, in den Schrank gelegt gehabt."

TV-Tipp:

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