ARCHIV: Horst Teltschik und Michail Gorbatschow bei einem Treffen 2011
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Interview - Teltschik: Gorbatschow war "gutmütig und freundschaftlich"

Als Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl war Horst Teltschik dabei, als Michail Gorbatschow den Weg zur deutschen Wiedervereinigung freimachte. Aus diesem Treffen erwuchs eine Freundschaft, die bis zu Gorbatschows Tod anhielt. Dass sein Freund von vielen im eigenen Land so geringgeschätzt wurde, habe Michail Gorbatschow verbittert, sagt Teltschik.

Bei kaum einem Politiker wird die Lebensleistung so unterschiedlich bewertet wie bei Michail Gorbatschow, der am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben ist: Während die Würdigungen in Deutschland und Europa voll von Lob und Ehre sind, ist der ehemalige sowjetische Staatschef im eigenen Land höchst umstritten.

Horst Teltschik war Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl und an den Verhandlungen zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung beteiligt. Danach pflegte er über viele Jahre eine Freundschaft mit Michail Gorbatschow. Er hat ihn als "gutmütigen und freundschaftlichen Partner erlebt."

"Da lief mir ein Schauer über den Rücken"

Eine der eindringlichsten Erinnerungen wird für Teltschik immer der Besuch mit Helmut Kohl in Moskau sein, als Gorbatschow den Weg zur deutschen Einheit freimachte: "Ich musste ja diese Gespräche notieren. Und als Gorbatschow diesen berühmten Satz sagte, dass es jetzt Sache der beiden deutschen Regierungen sei, ob, wann und wie sie sich vereinigen, da lief mir schon ein Schauer über den Rücken, weil ich mir dachte: Jetzt erlebst Du Geschichte."

Dass sein Freund von seinen eigenen Landsleuten so negativ gesehen wird, schmerzt Teltschik: Gorbatschow würden Dinge untergeschoben, die er nicht zu verantworten habe. "Das hat ihn schon verbittert".

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