Strommasten und Windräder rund um das Kohlekraftwerk Neurath
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Interview - Energie-Experte: Man kann nicht so einfach in den Strommarkt eingreifen

Der Strompreis geht durch die Decke. Ein Grund dafür: das "Merit-Order-Prinzip". Es legt fest, dass der Strompreis durch das teuerste Kraftwerk bestimmt wird. Daran gibt es nun reichlich Kritik. Aber Alternativen gebe es derzeit auch nicht, sagt Udo Sieverding, Energie-Experte der NRW-Verbraucherzentrale.

Der Strom sei derzeit aus verschiedenen Gründen so teuer: Die niedrigen Wasserstände in den Flüssen würden zu weniger Wasserkraft führen. Nur noch 20 von 56 AKWs in Frankreich seien aktuell am Netz, auch das habe Folgen für die deutschen Verbraucher.

Zuletzt wirke sich auch der hohe Gaspreis darauf aus, wieviel der Strom koste. Das liege daran, dass der europäische Strommarkt nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniere. "Durch den Ausnahmezustand, den wir an den Gasmärkten haben, gibt es eben den […] sehr unschöne Nebeneffekt, dass es schlicht teuer oder unbezahlbar wird."

Sieverding: weiteres Entlastungspaket wichtig

 

Deshalb gibt es aktuell Forderungen, den Energiemarkt neu aufzustellen - auch die Bundesregierung und die EU-Kommission wollen etwas ändern. Sieverding sagt dazu, dass viel diskutiert werde, wie das funktionieren könnte. "Da gibt es viele verschiedene Meinungen, auch unter den Profis."

Weiter sagt er: "Man hätte sich da natürlich drauf vorbereiten können und ein Modell in die Schublade legen können." Aber so weit sei man nicht. Er betont, dass man nicht einfach so in den Markt eingreifen könne. Wichtig sei, wie man den Bürgern helfe. Deshalb hoffe er auf ein drittes Entlastungspaket der Bundesregierung, die aktuell in Meseberg tagt.

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