Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt das Kernkraftwerk Saporischschja.
Maxar Technologies/AP
Bild: Maxar Technologies/AP Download (mp3, 7 MB)

Interview - Nuklearexperte Smital: "Dass die Reaktoren wieder am Netz sind, bringt erstmal Entspannung"

Nach der Notabschaltung am Donnerstag soll das ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja inzwischen wieder am Stromnetz sein. Eine gute Nachricht, sagt Heinz Smital, Atomkraftexperte bei Greenpeace. Doch die Lage am größten AKW Europas bleibt weiterhin brisant.

Am Donnerstag musste das Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja wegen eines Brandes vom Stromnetz genommen werden. Immer wieder kommt es zu Raketenbeschuss und Kampfhandlungen im direkten Umfeld des von der russischen Armee besetzten AKWs. Inzwischen sollen die beiden funktionierenden Reaktoren zwar wieder ans Stromnetz angeschlossen sein. Doch die Situation am größten Atomkraftwerk Europas bleibe weiterhin sehr gefährlich, sagt Heinz Smital, Atomkraftexperte bei Greenpeace.

"Dass die Reaktoren wieder am Netz sind, bringt erstmal Entspannung", so Smital. Denn auch die nicht mehr im Betrieb befindlichen Reaktoren in Saporischschja würden noch sehr viel Kühlung brauchen, damit es nicht zu einer Kernschmelze komme. "Das kann auf Dauer nicht mit Notstromdieseln durchgeführt werden." Auch Monate nach der Abschaltung müsse ein Reaktor noch massiv gekühlt werden, so Smital.

Ukraine und Russland können kein Interesse an Supergau haben

 

Deswegen bleibe die Situation am AKW in Saporsischschja weiterhin brisant. Das liege auch an den fortgesetzten Kampfhandlungen rund um das Atomkraftwerk. Grundsätzlich seien die Reaktoren zwar sehr robust, erklärt Smital. Einen zufälligen seitlichen Raketentreffer könne das AKW überstehen. Doch bei einer gezielten direkten Attacke könnte es sehr schnell zum Supergau kommen.

Der Nuklearexperte glaubt jedoch nicht, dass eine solche Katastrophe unmittelbar bevorsteht: "Es ist so, dass keine der Parteien ein wirkliches Interesse daran haben könnte, einen Supergau dort zu provozieren." So sei es etwa wahrscheinlich, dass Russland im Falle einer Kernschmelze stärker von einer dann entstehenden radioaktiven Wolke getroffen werde als die Ukraine und Europa. Doch wenn Russland das AKW weiter zu einer Art Militärstützpunkt ausbaue, könnte die Lage auch weiter eskalieren, befürchtet Smital.

Auch auf rbb24inforadio.de

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 07.08.2022 veröffentlichte Foto zeigt eine Gesamtansicht des ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja.
picture alliance/dpa/Russian Defense Ministry Press Service/AP

Interview - Saporischschja: Weder Russland noch Ukraine bewegen sich

Die Lage am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja, das aktuell von russischen Truppen kontrolliert wird, ist weiterhin unklar. Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen, erklärt, was die Lage so schwierig macht und warum es Streit um unabhängige internationale Kontrollen des Atomkraftwerkes gibt.