Reisende stehen mit FFP2-Maske am U-Bahnhof Brandenburger Tor und warten auf die einfahrende Bahn in Berlin (Bild: picture alliance/ dpa)
picture alliance/ dpa
Bild: picture alliance/ dpa Download (mp3, 8 MB)

Interview - Intensivmediziner: Corona-Maßnahmen sind ein guter Kompromiss

Das Kabinett hat am Mittwoch neue Corona-Maßnahmen für Herbst und Winter beschlossen. Intensivmediziner Christian Karagiannidis begrüßt diese und betont, dass druch einen hohen Immunsisierungsgrad in dieser kalten Jahreszeit andere Grundvoraussetzungen vorherrschen als zuletzt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hätten mit den neuen Corona-Schutzvorgaben für den Herbst ein gutes Kompromisspaket geschnürt, sagt Christian Karagiannidis, Intensivmediziner und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN).

Es eröffne den Bundesländern entsprechende Werkzeuge, wenn es hart auf hart komme. Zwar sei die Gefahr eines Flickenteppichs gegeben, dennoch gebe es in diesem Herbst und Winter andere Grundvoraussetzung als in den vergangenen Jahren, sagt der Intensivmediziner: "Wir haben eine deutlich höheren Immunisierungsgrad der Bevölkerung." Denn viele Menschen seien bereits geimpft oder hätten eine Corona-Infektion durchgemacht.

Intensivmediziner: Corona-Maßnahmen dienen als Leitplanken für die Bundesländer

 

"Die beiden Minister haben jetzt gewisse Leitplanken vorgegeben, im Rahmen dessen sich die Bundesländer bewegen können. Und das ist schon ein substanzieller Unterschied zu den vergangenen beiden Jahren", so Karagiannidis. Zudem verweist der Mediziner auf anstehende neue Impfstoffe, die zielgerichteter gegen die Omikron-Variante wirken sollen, sowie auf Schnelltests, die eine hohe Viruslast aufdecken.

Kariagiannidis: Maske oder aktueller Test stellen gute Variante dar

 

"Wir wollen ja keine Strategie in den nächsten Monaten, wo man Infektionen gänzlich verhindert, sondern wir wollen besonders hohe Lasten der Bevölkerung abdämpfen, ganz starke Infektionswellen runterdrücken", sagt der DGIIN-Präsident. Vor dem Hintergrund stelle die Maske oder ein aktueller Test eine gute Variante dar.

Man sei im Erfassen der Datenlage zur Coronaausbreitung besser. Neben der Corona-Inzidenz helfe auch ein Abwassermonitoring und die Belegung der Krankenhausbetten den Überblick zu behalten. Man müsse das als Block zusammen sehen und nicht jeden einzelnen Parameter, betont Intensivmediziner Christian Karagiannidis, der auch Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung ist.

Hintergrund

Kabinett beschließt neue Corona-Regeln

Die Bundesregierung hat sich auf neue Corona-Schutzregeln ab dem Herbst geeinigt.

Bei einer Kabinettssitzung wurde am Vormittag beschlossen, dass es ab Oktober nur noch wenige bundeseinheitliche Regelungen geben soll. Dazu gehört, dass es bei der FFP2-Maskenpflicht in Fernzügen und Flugzeugen sowie in Krankenhäusern und Pflegeheimen bleibt.

Die Länder bekommen die Möglichkeit, bei einer angespannten Corona-Lage weitere Maßnahmen anzuordnen, etwa eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen. Davon soll es aber in der Gastronomie oder bei Kultur- und Sportveranstaltungen in jedem Fall Ausnahmen geben, wenn ein negativer Test vorgezeigt wird.

Optional können sich die Länder entscheiden, auch frisch Geimpfte und frisch Genesene von der Maskenpflicht zu befreien.

Auch auf rbb24inforadio.de

Grünen-Politiker Janosch Dahmen spricht im Bundestag
picture alliance/dpa/Kay Nietfeld

Interview - Dahmen: Lockdown nicht mehr erstes Pandemie-Instrument

Welche Corona-Regeln sollen in diesem Herbst und Winter gelten? Darüber will das Kabinett entscheiden - und plant vor allem mit einer Maskenpflicht dort, wo sich die Lage verschärft. Für den Arzt und gesundheitspolitischen Sprecher der Grünen Janosch Dahmen ist das vorerst eine gute Lösung.