Eine Einkaufskiste mit Lebensmitteln steht auf einem Küchentisch.
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Interview - Entlastungen: "Gießkannenpolitik muss ein Ende haben"

Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen seit Monaten kontinuierlich an. An den Entlastungsplänen der Bundesregierung gibt es scharfe Kritik von Sozialverbänden. Es müsse gezielt und mit höheren Beträgen denen geholfen werden, die wirklich Unterstützung brauchen, fordert Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband.

Schneider kritisiert das Vorhaben, die Mehrwertsteuer auf Gas zu senken. Es entlaste vor allem die Menschen, die besonders viel Gas verbrauchen - etwa beim Beheizen großer Wohnungen. "Diese Gießkannenpolitik muss ein Ende haben", sagt Schneider.

Es gebe viele wohlhabende Menschen, die trotz hoher Preise die Kosten noch selbst tragen könnten. "Wir müssen uns auf die konzentrieren, die es wirklich nicht schaffen, aber dann auch wirklich die Beträge zur Verfügung stellen und nicht mit Kleckerbeträgen arbeiten", sagt Schneider.

Schneider: Bezüge erhöhen und Wohngeld ausweiten


Den unteren zwanzig Prozent der Einkommensskala müsse gezielt Geld zur Verfügung gestellt werden, um über den Monat zu kommen. Zudem müssten Sozialleistungen dringend massiv erhöht werden, so Schneider. Der Paritätische Gesamtverband fordert eine Erhöhung von Hartz IV und Grundrente um 200 Euro monatlich.

Beim Wohngeld müsse der Empfängerkreis ausgeweitet werden. "Wir müssen zwei bis drei Millionen Haushalte erreichen, dann hätten wir wirklich ein soziales Netz, das die Menschen, die wenig haben, über den Monat bringt", sagt Schneider. Die von der Bundesregierung für Entlastungsmaßnahmen eingeplanten Beträge reichten für wirksame Maßnahmen aber nicht aus.