Demo in Berlin für afghanische Ortskräfte
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Interview - Eva Högl: Bundesregierung muss Ortskräften Schutz bieten

Ein Jahr nach der Einnahme Afghanistans durch die Taliban verweist die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) auf die Verantwortung der Bundesregierung für die Ortskräfte. Högl fordert aus den Fehlern des Afghanistan-Abzugs auch für den ausgesetzten Einsatz in Mali zu lernen.

Auf Einladung der Evangelischen Kirche treffen sich an diesem Wochenende in Berlin ehemalige Ortskräfte aus Afghanistan zu einem Kongress. Dass das Patenschaftsnetzwerk sich zusammen mit der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl und der Evangelischer Kirche für die Ortskräfte engagiert sei gut, "aber natürlich ist das die Verantwortung der Bundesregierung den Ortskräften Schutz und Sicherheit zu geben", sagt Eva Högl (SPD), Wehrbeauftragte des Bundestages. Dazu gehörte etwa die Unterkunft oder der Zugang zum Arbeitsmarkt.

Mehr als 20.000 afghanische Ortskräfte haben seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ein deutsches Einreisevisum erhalten. Allerdings warten noch ein Jahr später rund 10.000 Menschen auf die Ausreise. Högl erklärt, seit der Machtübernahme der Tailban sei es schwierig das Land zu verlassen.

Högl: Teilweise mussten afghanische Ortskräfte erwachsene Töchter zwangsverheiraten

 

Neben dem Landweg durchs Land nach Pakistan, den Hürden durch die Taliban gebe es auch bürokratische Hürden auf deutscher Seite. Dazu zähle auch, welche Familienmitglieder mit ausreisen dürfen. Die Wehrbeauftragte berichtet: "Ich habe schon eine Reihe von Personen gesprochen, die ihre erwachsenen Töchter in Afghanistan lassen mussten, die sie zum Teil auch zwangsverheiraten mussten. Es ist wirklich so brutal und grausam, um sie einigermaßen schützen zu können."

Mit Blick auf den ausgesetzten Bundeswehreinsatz in Mali betonte Högl, man habe aus dem Afghanistan-Abzug gelernt, so seien etwa die Namen der Ortskräfte in Mal bekannt. Dennoch sei es eine andere Situation, da die Ortskräfte in Mali nicht so gefährdet seien wie in Afghanisitan.

Hintergrund

  • Lage in Afghanistan ein Jahr nach Machtübernahme der Taliban drastisch verschlechtert

  • Machtübernahme der Taliban

  • Chaotische Evakuierungsaktion

  • Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan

  • Einschränkung der Menschenrechte

  • Humanitäre und wirtschaftliche Krise

  • Wiederholte Anschläge des IS