Am Strand von Saky steigt Rauch nach einer Explosion auf. Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim im Schwarzen Meer ist Munition auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt explodiert.
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Interview - Völkerrechtler: "Rückeroberung der Krim ist unwahrscheinlich"

2014 von Russland annektiert und jetzt involviert in den Krieg? Die Halbinsel Krim spielt im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eine wichtige Rolle. Eine militärische Lösung wird es dort aus Sicht von Stefan Talmon, Völkerrechtler an der Universität Bonn, nicht geben. Denkbar sei, die Krim aus einer möglichen Verhandlungslösung auszunehmen.

"Wir haben es bei Russland mit einer Nuklearmacht zu tun", erklärt Talmon. "Ich denke, dass Russland im Falle eines Angriffs auf sein Territorium - auf ein Gebiet, das es heute als sein Territorium ansieht - auch durchaus den Einsatz von Nuklearwaffen erwägen könnte." Vor diesem Hintergrund erscheine ihm eine militärische Rückeroberung der Krim unwahrscheinlich, so der Professor für Völkerrecht.

Beide Seiten könnten den Konflikt um die Krim quasi "einfrieren", sagt Talmon. Das habe die ukrainische Seite auch zu Beginn des Krieges im Februar vorgeschlagen. Wichtig bei einem solchen Einfrieren sei, dass die Rechtsposition der Ukraine aufrechterhalten wird. Völkerrechtlich sei es ziemlich eindeutig, dass es sich bei der Krim um ukrainisches Staatsgebiet handelt - die "Sonderrolle" der Krim sei eine russische Perspektive.

Talmon betont, dass die Krim auch zum völkerrechtlichen Präzendenzfall werden könnte und warnte, man müsse deswegen vorsichtig handeln. "Es gibt sicher viele Gebiete auf der Welt, die historisch zu anderen Gebieten gehörten, die vielleicht auch irgendwann einmal abgetreten wurden." Wenn man diese Territorialregelungen nachträglich in Frage stellen könnte,"würden wir wahrscheinlich die Büchse der Pandora öffnen", so der Völkerrechtler.

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