Blick auf Kabul, die Hauptstadt Afghanistans (Bild: IMAGO / photothek)
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Interview - Ex-BND-Chef Hanning: "Es gibt weiter Terrororganisationen in Afghanistan"

Vor einem Jahr zogen die westlichen Mächte ihre Truppen aus Afghanistan zurück. Sofort danach übernahmen die Taliban erneut die Kontrolle im Land. Ex-BND-Chef August Hanning befürchtet, dass jetzt auch Terrorgruppen wieder feste Stützpunkte in Afghanistan aufbauen könnten.

Vor einem Jahr zogen die USA als letzte westliche Macht ihre Truppen aus Afghanistan ab. Zuvor hatte sich unter anderen auch die Bundeswehr bereits aus dem Land zurückgezogen. Kurz darauf übernahmen die radikalislamischen Taliban erneut die Kontrolle in Land. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Taliban im vergangenen Sommer wieder an die Macht kamen, sei überraschend gewesen, sagt der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning.

Grundsätzlich habe es im Westen schon die Überzeugung gegeben, dass es nach dem Abzug der westlichen Truppen schwer für die afghanische Regierung werden würde, sagt Hanning. Trotzdem sei es überraschend gewesen, wie schnell die afghanische Regierung aufgegeben habe. Der Westen habe inzwischen aber auch schon Lehren aus der Fehleinschätzung vor einem Jahr gezogen.

Vertrauensverlust in afghanische Regierung wurde unterschätzt

 

Inzwischen sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Nachrichtendienste neben dem Abfangen von Informationen noch mehr menschliche Quellen vor Ort gebraucht hätten. Außerdem habe man einsehen müssen, dass es aufgrund der grassierenden Korruption in Afghanistan am Ende keine Loyalität mehr für die amtierende Regierung gegeben habe. "Und für dieses korrupte Regime lohnte es sich nicht mehr zu kämpfen." Diesen Vertrauensverlust habe der Westen damals unterschätzt.

Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban sieht der ehemalige Geheimdienstler die größte Gefahr darin, dass Terrororganisationen, die von der Taliban-Regierung geduldet werden, wieder feste Stützpunkte und Strukturen in Afghanistan aufbauen können. Im Doha-Abkommen zwischen den USA und den Taliban gebe es zwar einen Passus, der festlegen soll, dass die Taliban keine Terrororganisation beherbergen. Doch man sehe bereits, dass es weiter Terrorgruppen gebe, die in Afghanistan operieren können.

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