Chinas Präsident Xi Jinping
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Interview - China-Experte Görlach: Xi will von eigenem Versagen ablenken

Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan sorgt für erhebliche diplomatische Spannungen. China warnt die USA vor Konsequenzen. China-Experte Alexander Görlach sagt: Mit den Kriegsdrohungen will Präsident Xi von seinem eigenen Versagen ablenken.

Der Taiwan-Besuch von Nancy Pelosi, der demokratischen Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, sorgt für zunehmende Spannungen zwischen dem Inselstaat und China. Peking betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik und lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taiwan ab – und lässt deswegen bereits Flugzeuge und Kriegsschiffe im West-Pazifik kreuzen.

Görlach: Xis Ziel ist die Dominanz im Westpazifik

Der Theologe, Journalist und Buchautor Alexander Görlach beschreibt in seinem Buch "Alarmstufe Rot" die aggressive Außenpolitik Chinas im Pazifik. Er erklärt die scharfen Drohungen Chinas gegenüber Taiwan damit, dass Präsident Xi "übelste Wirtschaftsdaten zu verantworten hat, eine verfehlte Null-Covid-Strategie, die höchste Jugendarbeitslosigkeit, eine Bankenkrise, eine Kreditkrise… das heißt: Er braucht dringend irgendwas zum Ablenken." Deswegen würde er versuchen, mit der Kriegsdrohung die Reihen nach innen zu schließen, um von seinem eigenen Versagen abzulenken.

Sollte China Taiwan tatsächlich angreifen, wäre dort sicher nicht Schluss, meint Görlach: "Das Ziel von Xi ist die Dominanz in dieser Weltregion. […] Der Westpazifik soll auch militärisch dominiert werden. […] Es gibt zum Beispiel chinesische Söldner, die halten schon seit über einem Jahr Inseln besetzt, die gehören zu den Philippinen. […] Da werden gezielt an verschiedenen Stellen im Westpazifik kriegerische Ereignisse vorbereitet, zumindest in der Theorie."