Eine Frau zieht sich an einem Fahrschein-Automaten ein 9-Euro-Ticket.
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Interview - Verkehrsexperte lobt 9-Euro-Ticket: "Menschen sind bereit, ÖPNV stärker zu nutzen"

Einen Monat vor Ende des 9-Euro-Tickets setzen sich Viele für eine Nachfolgelösung ein. Auch Verkehrsexperte Wulf-Holger Arndt von der TU Berlin ist dafür, um mehr Menschen zur Nutzung des Nahverkehrs zu bewegen. Er hält zum Beispiel ein 365-Euro-Ticket in der Region Berlin-Brandenburg für umsetzbar.

Der Verkehrsforscher sagt, es gebe eine "sehr große" Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket. "Der ÖPNV ist jetzt wesentlich stärker im Gespräch." Er sehe außerdem kleine Änderungen im Verkehrsverhalten - unter anderem eine geringere Nutzung von PKW. "Mehr konnte nicht passieren innerhalb von drei Monaten. Da braucht man einen längeren Atem", sagt Arndt.

Die Menschen seien bereit, den ÖPNV stärker zu nutzen und Tickets wie das 9-Euro-Ticket würden das ermöglichen. Deshalb befürwortet Arndt eine mögliche Nachfolgeregelung für die zeitlich begrenzte Aktion der Bundesregierung.

365-Euro-Ticket für Berlin und Brandenburg?

 

Als Beispiel nennt er das 365-Euro-Ticket, das in Wien angeboten wird. "Die Statistik zeigt, dass der ÖPNV dort nach Einführung des Tickets um zehn Prozent zugenommen hat“. Die PKW-Nutzung sei um dreizehn Prozent zurückgegangen. „So ein einfaches und vor allem preiswertes Ticket spielt da eine wichtige Rolle.“ Grundsätzlich sei solch ein Ticket auch in der Region Berlin-Brandenburg umsetzbar, sagt der Verkehrsforscher. Allerdings brauche es dafür bessere Lösungen für Pendlerinnen und Pendler sowie ein dichteres ÖPNV-Angebot auf dem Land.

Mit Blick auf die Debatte um die Finanzierung eines Nachfolgers für das 9-Euro-Ticket sagt Arndt: "Die Frage der Finanzen ist ja immer eine Prioritätensetzung." Geld sei grundsätzlich da, die Gesellschaft müsse nur diskutieren, wofür es ausgegeben werden solle. Angesichts des Erfolgs des 9-Euro-Tickets sagt er: "Ich glaube nicht, dass wir jetzt einfach so zurückgehen können zum Zustand von früher." Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte am Wochenende wiederholt eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets abgelehnt, weil es nicht finanzierbar sei.

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9-Euro-Ticket für den Monat Juli vor einer Reihe Kartenautomaten
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Interview - Gelbhaar (Grüne) zu 9-Euro-Ticket: "Wir brauchen eine Nachfolge-Lösung"

Seit zwei Monaten gibt es das 9-Euro-Ticket. Die Nachfrage ist nach wie vor enorm. Doch Ende August läuft das deutschlandweite Angebot für den Nah- und Regionalverkehr aus. Für die Zeit danach wollen sich die Grünen für ein weiterhin bundesweit gültiges Ticket einsetzen, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Stefan Gelbhaar.