Zwei Mädchen schauen zusammen etwas auf dem Handy an
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Interview - Tag der Freundschaft: Wie verändern Krisen unsere Beziehungen?

Der 30. Juli ist der internationale Tag der Freundschaft. Was ist wahre Freundschaft, und wie wirken sich Krisen wie die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg auf unsere Beziehungen aus? Das erforscht der Soziologe Janosch Schobin von der Universtität Kassel – und räumt dabei auch mit Vorurteilen über die Freundschaft auf.

Was eine Freundschaft ausmache, hänge vom sozialen Kontext ab. "Bei uns ist ziemlich wichtig sowas wie Austausch, private Informationen, Austausch von Geheiminissen", sagt Schobin. Wenn dieser Austausch stattfinde, werde jemand vom Bekannten zum Freund. Mit längerer Dauer würden Freundschaften zudem als immer wichtiger eingestuft, so der Soziologe.

Die meisten Freundschaften werden im Jugendalter geschlossen, erklärt Schobin. "Das ist so die Phase, wo die Leute die meisten Freunde haben und auch Freunde am stärksten im Mittelpunkt des Lebens stehen." Dabei wirke sogenanntes "abweichendes Verhalten" oft freundschaftsstifend. "Man macht Sachen zusammen, die man eigentlich nicht darf", sagt Schobin. Später im Leben würden dann Gespräche oder gemeinsam gemeisterte Herausforderungen immer wichtiger.

Soziologe: Freundschaften nicht voreilig beenden

Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt, dass die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine Freundschaften beeinflussen - sie sind in diesen Zeiten nicht immer leicht. Problematisch werde es dann, wenn Feindschaften entstehen, erklärt Schobin. In der Forschung lasse sich das an Schulklassen erkennen. Feindschaft führe häufig zu Lagerbildung und damit auch zu Beziehungsabbrüchen, die eigentlich gar nicht gewollt sind, so der Soziologe. Er plädiert dafür, den Kontakt nicht zu schnell abzubrechen. Wer im Gespräch bleibe, habe noch die Möglichkeit, den anderen von der eigenen Position zu überzeugen.

Das Klischee, dass Männer und Frauen nicht befreundet sein können, kann Schobin nicht bestätigen. "Dafür gibt es einfach zu viele Ausnahmen." Wahr sei aber, dass die meisten Freundschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen bestehen.