Zwei Mädchen mit einem Regenschirm laufen über den Roten Platz in Moskau
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Interview - Jugend in Russland: "Nur wenige wollen freiwillig in den Krieg ziehen"

Fünf Monaten nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine läuft in Russland die Propagandamaschine des Kreml auf Hochtouren. Die älteren Generationen erreiche sie stärker als die Jugend, sagt Mikhail Polianski von der deutsch-russischen Jugendinitiative. Viele Jüngere wollten das Land verlassen.

Man könne die russische Jugend durchaus als patriotisch bezeichnen, sagt Polianskii. Damit sei aber in erster Linie gemeint, dass sie ihr eigenes Land liebten. "Das bedeutet aber nicht automatisch, die Regierung, die in dieser Zeit in diesem Land regiert, auch zu lieben", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Das lasse sich an unterschiedlichen Aspekten erkennen.

Polianskii: "Viele stimmen mit den Füßen ab und verlassen das Land

 

Es meldeten sich etwa weit weniger Menschen für den Militärdienst als erwartet. "Ganz wenige wollen freiwillig in den Krieg einziehen", sagt Polianskii. Bei den Demonstrationen gegen den Krieg sei die Jugend in der Mehrzahl gewesen. Inzwischen gehe kaum noch jemand auf die Straße, weil jeder Protest massiv unterdrückt werde. "Viele stimmen mit den Füßen ab und verlassen das Land", sagt Polianskii der selbst aus Russland ausgewandert ist.

In der älteren Generation gebe es mehr Unterstützung für die Regierung. "Aber ich will nicht die Hoffnung aufgeben und pauschal einschätzen, dass alle diesen Krieg unterstützen", sagt Polianskii.

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