Vertrocknete Sonnenblumen stehen auf einem Feld.
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Interview - Warum Brandenburg so mit Wasserknappheit zu kämpfen hat

Brandenburg gehört zu den Gebieten mit dem höchsten Dürrerisiko in Deutschland - das macht besonders den Landwirten zu schaffen. Warum das Wasser in Brandenburg so knapp ist und was man dagegen tun kann, erklärt Hydrogeologin Irina Engelhardt von der Technischen Universität Berlin.

Es gebe in Brandenburg viele Gebiete mit schlecht durchlässigen Böden, erklärt Engelhardt. "Das heißt, es regnet, aber das Wasser kann gar nicht infiltrieren, sondern fließt eben oberflächlich ab." Eine weitere Ursache für die Wasserknappheit sei der hohe Anteil an Nadelwald. "Der geht automatisch damit einher, dass wir eine ganzjährige Verdunstung - wir nennen das Evapotranspiration - haben", so die Forscherin.

Außerdem gebe es teilweise ein sehr ausgeprägtes Gewässernetz mit Seen, sagt Engelhardt. "Selbst wenn der Niederschlag fällt, haben wir dann auch wieder einen sehr schnellen Wasserumsatz." Außerdem habe Brandenburg eine grundwassergestützte Wasserwirtschaft und der Bereich, wo das Wasser entnommen wird, seien endlich, erklärt die Hydrogeologin. "Und all das führt letztendlich dazu, dass wir eine - im Bundesvergleich - relativ angespannte Situation haben"

"Wir haben noch zehn Jahre, um das aufzufangen"


Um das Wasser in Brandenburg zu halten, gebe es einige Maßnahmen, die leicht umzusetzen seien, so Engelhardt. Dazu gehöre der Waldumbau, eine bessere Bewirtschaftung des Regenwassers und den Boden wieder zu entsiegeln. Außerdem könne man natürlich versuchen, weniger Wasser zu verbrauchen, allerdings gebe es dabei eine Grenze, sagt die Wissenschaftlerin: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht unter 80 oder 90 Liter pro Kopf und Haushalt kommen."

Deswegen müsse der Wasserbedarf durch andere Ressourcen befriedigt werden, so Engelhardt. Das könnten in der Landwirtschaft oder Industrie gereinigtes Abwasser oder übergeleitetes Flusswasser sein. Das sei zwar ein großer Umbau, sagt die Hydrogeologin. "Aber wir haben jetzt vielleicht noch einen Puffer von acht, neun, zehn Jahren, dass die Situation schon noch auffangbar ist - durch diese wasserwirtschaftlichen Maßnahmen."

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