Das Kernkraftwerk Isar
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Interview - Lies (SPD) kritisiert "Scheindebatte" um AKW-Verlängerungen

Angesichts der Energiekrise werden die Rufe nach einem kurzfristigen Ausstieg aus dem Atomausstieg lauter. Niedersachsens Energie- und Klimaschutzminister Olaf Lies (SPD) ist dagegen und warnt vor Scheindebatten, die nur politisch motiviert seien.

Der Ukraine-Krieg bedeutet eine Zeitenwende in der Energiepolitik. Weil uns russisches Gas fehlt, laufen Kohlekraftwerke länger. Auch über eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wird diskutiert. Eigentlich soll für die letzten drei Meiler Ende des Jahres Schluss sein. Aber ein Ausstieg aus dem Ausstieg scheint nicht mehr ausgeschlossen - auch wenn nicht wenige bezweifeln, dass das viel bringen könnte.

Der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD) ist der Vorsitzende der Länder-Energieminister-Runde. Er findet den Stresstest der Bundesregierung gut und richtig. Dieser werde seiner Meinung nach aber auch zeigen, "dass wir keine Laufzeitverlängerung brauchen".

Gefährliche "Scheindebatte"

Die Debatte, die gerade geführt werde, sei zumindest in Teilen politisch motiviert, so Lies. "Und das ist gefährlich, weil eine verunsicherte Gesellschaft, die nicht weiß, was kommt, gar nicht in der Lage ist, das im Detail zu bewerten."

Ein Stück weit sei es auch eine Scheindebatte, sagt Lies. Bei manchen AKWs wie dem in Lingen könne gar nicht wirklich mehr Strom produziert werden, sondern die Produktion könne lediglich über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Deswegen appelliert er daran, "am gesellschaftlichen Konsens [dem Ausstieg] festzuhalten."

Die Erneuerbaren müssen ausgebaut werden

Der SPD-Politiker wünscht sich, dass von der ideologischen Frage zur Sachfrage zurückgekehrt würde: "Wir haben eigentlich ein Gasproblem und kein Stromproblem und das Stromproblem lösen wir übergangsweise mit mehr Kohlestrom. Und wir müssen es mittelfristig lösen mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Das muss die Antwort sein."