Eine Zugbegleiterin der Deutschen Bahn neben einem ICE am Bahnsteig.
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Interview - GDL-Chef Weselsky: 9-Euro-Ticket tut dem System nicht gut

Die Deutsche Bahn stellt am Donnerstag ihre Halbjahresbilanz vor. Durch das 9-Euro-Ticket ist die Reise mit dem Zug im Moment wieder sehr beliebt. GDL-Chef Claus Weselsky spricht sich allerdings gegen dessen Verlängerung aus. Durch die zusätzlichen Reisenden sei die Bahn völlig überlastet.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, kritisiert, dass durch das 9-Euro-Ticket "zusätzliche Reisenden-Anstüme" in die Züge gebracht worden seien. Dabei sei das Angebot eigentlich dafür gedacht gewesen, Pendler zu entlasten. Die tatsächliche Nutzung des Tickets tue dem System nicht gut, "weil es sowieso schon auf Verschleiß gefahren wird. Jetzt sind wir zusätzlich noch völlig überlastet", so Weselsky.

Weselsky: Kann von Verlängerung des 9-Euro-Tickets nur abraten

 

Er könne von einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets nur abraten, sagt Weselsky. "Wir verhökern hier etwas, wir tun so, als wäre Nahverkehr umsonst. Das bedeutet doch am Ende des Tages, dass das ein wertloses Produkt ist. Im Gegenteil: Wir müssen das zu einem vernünftigen Preis, allerdings auch übergreifend, sprich bundesweit, ein ordentliches Ticket für den Nahverkehr, für die Pendler zum Tragen bringen." Das was jetzt passiere, könne Pendler eher abschrecken, so der GDL-Chef. Stattdessen gebe es Touristenströme zur Ostsee.

GDL-Chef fordert, dass sich Deutsche Bahn auf Kerngeschäft konzentriert

 

Weselsky fordert außerdem, die Bahn solle sich auf ihr Kerngeschäft in Deutschland konzentrieren. Die weltweite Expansion als Logistikunternehmen halte er für falsch. Er könne sich einen Verkauf der Logistiksparte DB Schenker vorstellen: "Wir sind kein Logistiker, wir sind eine Eisenbahn. Ein Teil des gesamten Logistiksystems. Und wir müssen nicht alles bedienen, sondern wir müssen erstmal unsere Hausaufgaben machen: Eisenbahn in Deutschland - sicher, zuverlässig und pünktlich. Das ist die Kernbotschaft."

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