Eine junge Frau hält die Hände eines älteren Mannes.
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Interview - Wie das deutsche Rechtssystem Erbschleicherei erleichtert

Rund 400 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland vererbt - und nicht immer an den Richtigen. Eine Recherche von Report Mainz zeigt: In Deutschland ist Erbschleicherei deutlich leichter als in anderen Ländern. Das, so Autorin Manuela Dursun vom SWR, hat viel mit dem deutschen Rechtssystem zu tun.

Erbschleicherei ist alles andere als ein Kavaliersdelikt – und kommt häufiger vor als viele glauben. Eine Recherche von Report Mainz gestern Abend im Ersten zeigte aber auch: In Deutschland wird es Erbschleichern besonders leicht gemacht.

Manuela Dursun vom Südwestrundfunk, die Autorin der Recherche, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema. Sie sieht ein großes Problem bereits in dem Umstand, dass der Tatbestand an sich gar nicht existiert. Denn dadurch sei Erbschleicherei in Deutschland quasi legal.

Keine Verträge auf Augenhöhe

Wenn sich ein junger Mensch das Vertrauen eines alten Menschen erschleiche und ihn dazu bringe, sein Vermögen zu verschenken, sei das ja der freie Wille der Person, so die Gerichte. "Da wird aber nicht in Betracht gezogen, dass das ja keine Verträge mehr auf Augenhöhe sind", so Manuela Dursun. Oft sei es so, dass junge Menschen sich bewusst alte, vulnerable Personen suchten, die sie leicht beeinflussen könnten.

In Deutschland sei es im Gegensatz zu anderen Ländern auch nicht mehr möglich, unter solchen Umständen zustande gekommene Geschäfte, wie zum Beispiel Hausverkäufe oder Vollmachten, rückgängig zu machen, weil, so Manuela Dursun, "die deutsche Rechtslage davon ausgeht: wenn man jemandem eine Vollmacht erteilt hat, dann ist der Rechtsstaat raus, denn dann hat derjenige das ja so gewollt – Punkt."

TV-Tipp

"Keine Straftaten für Erbschleicher" bei Report Mainz