Die Gaszuleitung mit Gasdruckanzeige eines gasbetriebene Blockheizkraftwerke BHKW der Stadtwerke Tuebingen.
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Interview - IHK: "An Gasversorgung hängen in Berlin 50.000 Arbeitsplätze"

Deutschland steckt mitten in einer Energiekrise - viele Menschen sorgen sich um die Versorgung, die hohen Kosten und auch um ihre Jobs. Rund die Hälfte des verarbeitenden Gewerbes in Berlin sei auf Gas angewiesen - "eine ganz ungünstige Perspektive", sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer.

Fahrzeugbau, Nahrungsmittelindustrie, Chemie, Metallerzeugnisse, Maschinenbau und Pharmazie - sie alle seien auf die Energielieferung angewiesen, sagt Eder. "Wenn die schärfer von Gasliefermangel betroffen sind, mag ich mir nicht vorstellen, was das für die Arbeitsplätze bedeutet", so der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Der Standort Berlin sei stark vom Gas abhängig. "Es gibt viele deutsche Unternehmen, die sagen: Dann gehen wir halt ins Ausland mit der Produktion. Insgesamt für unseren Wirtschaftsstandort und damit auch für Berlin eine ganz ungünstige Perspektive."Derzeit gebe es noch keine verlässlichen Zahlen, inwiefern sich Unternehmen bereits jetzt einschränken.

Klar sei aber, dass jeder seinen Beitrag zum Energiesparen leisten müsse - das gelte für Unternehmen genauso wie für die Haushalte, betont Eder. Man sei "noch lange nicht am Ende von Einsparüberlegungen. Er erwarte "noch eine deutlich härtere Zeit". Beispielsweise müsste man eigentlich die Schwimmbäder schließen, um Gas einzusparen, so der IHK-Geschäftsführer. "Was für die Wirtschaft […] vermieden werden muss, sind diese angekündigten Abschaltkaskaden."

"Rechtslage muss geändert werden"


Eder fordert von der Politik "Überbrückung und Unterstützung". Nötig sei ein Zuschussprogramm, so Eder. "Das ist ja auf Bundesebene auch schon angekündigt. Das ist relativ schmal geschnitten."

Außerdem müsse man auch wieder über Kurzarbeitkonzepte nachdenken - und die Rechtslage müsse geändert werden. "So dass wir tatsächlich eher generell sparen und weniger generell abschalten“, sagt Eder. "Das heißt, dass jedes Unternehmen die Chance hat, weiter am Markt zu bleiben, wenngleich möglicherweise zu stark eingeschränkten Bedingungen."

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