Dieses von der russischen Staatsagentur Tass zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen russischen Soldaten, der die Getreideernte bei Jakymiwka in der Zentralukraine überwacht.
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Interview - Militärexperte: "Das Getreide-Abkommen kann funktionieren"

Am Freitag haben Russland und die Ukraine ein Abkommen geschlossen: Nach monatelanger Blockade darf die Ukraine wieder Millionen Tonnen Getreide per Schiff exportieren. Das bringe vielen Seiten Vorteile und könne deshalb tatsächlich funktionieren, erklärt Ralph Thiele, Oberst a.D. und Vorsitzender der Politisch-militärischen Gesellschaft.

Es sei eine Win-win-Situation, so Thiele. Die Ukraine verdiene mit der Getreideausfuhr Geld und auch für Russland lohne sich die Vereinbarung, denn Moskau könne nun ebenfalls wieder Getreide sowie Düngemittel auf dem Weltmarkt verkaufen. Darüber hinaus stärke die Türkei als Vermittlerin ihren Status als regionale Akteurin, erklärt der Militärexperte.

Außerdem - und das habe man meist gar nicht so sehr im Blick – gebe es viele internationale Finanzinvestoren, die stark in ukrainisches Getreide investiert hätten. "Also haben wir ein recht breites Portfolio von Interessenten, die wollen, dass es gut geht", sagt Thiele. Allerdings müsse man bedenken: "[Der russische Präsident] Putin hat natürlich die Wahl, immer wieder hineinzugrätschen, wenn es denn politisch für ihn passt, und das zu unterbrechen."

Kein Waffenstillstand


Die Ukraine habe auch keinerlei Garantie dafür, dass Russland die sicheren Getreide-Korridore nicht auch für militärische Zwecke nutzt, so der Vorsitzende der Politisch-militärischen Gesellschaft. "Generell ist es ein schwieriges Unternehmen, Schiffe durch Minenfelder zu bringen. Denn es gibt auch mal Minen, die sich losreißen."

Es gebe außerdem keinen Waffenstillstand, stellt Thiele klar. "Die Russen lassen nur diese Bereiche erst mal von Angriffshandlungen aus, in denen die Schiffe beladen werden und wo sie durchfahren. Also ein komplexes Risiko-Unternehmen." Dieses könne jederzeit von verschiedenen Akteuren gestört werden, so Thiele. Koordiniert werde die ganze Aktion von einem Hauptquartier in Istanbul aus.

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