Patricia Schlesinger, Intendantin des rbb und ARD-Vorsitzende, beim Eröffnungspanel der Medientage Mitteldeutschland im Juni 2022.
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Interview - Schlesinger: "Wir klären diese Vorwürfe - lassen alles prüfen"

Es gibt schwere Vorwürfe gegen den Rundfunk Berlin-Brandenburg und Intendantin Patricia Schlesinger: Es geht um die Abrechnung von Abendessen und um Beraterverträge - vor allem im Zusammenhang mit dem geplanten digitalen Medienhaus des rbb. Im rbb24 Inforadio erklärt Schlesinger, warum sie ihr Amt zunächst nicht ruhen lässt und warum sie einer Einladung des Brandenburger Landtages nicht folgte.

Im Fokus der Vorwürfe stehen unter anderem die Abrechnung von Abendessen in der Privatwohnung von Patricia Schlesinger und ein Beratervertrag ihres Ehemanns. Außerdem sollen bei Beraterverträgen für das geplante digitale rbb-Medienhaus Firmen zum Zuge gekommen sein, die im Zusammenhang mit dem Vorsitzenden des rbb-Verwaltungsrates Wolf-Dieter Wolf stehen. Die Vorwürfe werden derzeit sowohl hausintern als auch durch eine externe Kanzlei geprüft. Wolf lässt sein Amt derzeit ruhen.

Schlesinger zeigt sich im Interview entschlossen, ihr eigenes Amt weiterzuführen. Man wolle erst einmal abwarten, was bei den Untersuchungen herauskommt. Noch handele es sich vor allem um Mutmaßungen, Behauptungen und Verknüpfungen, die vielleicht nicht immer stimmten. Die Intendantin sagt weiter, dass sie ihre Vergütung noch einmal vom Verwaltungsrat prüfen lasse - insbesondere die darin geregelte leistungsabhängige Bezahlung.

Intendantin: Keine Kostenexplosion bei Medienhaus


Schlesinger verteidigte darüber hinaus ihr Fernbleiben im Hauptausschuss des Brandenburger Landtags. Sie habe es auch mit Blick auf die laufenden Untersuchungen für besser gehalten, nicht zu dem Termin zu erscheinen. Sie habe aber allen Fraktionen angeboten, im geschützten Raum zu sprechen. Außerdem habe die Geschäftsführung einen ausführlichen Fragenkatalog übermittelt bekommen, den sie natürlich beantworten werde.

Schlesinger weist außerdem die Berichte über eine Kostenexplosion beim geplanten digitalen Medienhaus zurück. Die "Bild"-Zeitung hatte geschrieben, dass die Summe von ursprünglich rund 60 Millionen Euro auf mehr als 180 Millionen Euro gestiegen sei. Schlesinger sagt, diese Zahlen stammten aus einer Simulation - einer von vielen. Eine endgültige Berechnung werde erst im kommenden Jahr vorliegen. Erst dann werde die rbb-Geschäftsleitung nach gründlicher Prüfung entscheiden, ob das neue Gebäude gebaut wird.