Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
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Interview - Friedrich-Ebert-Stiftung zu Entlassungen beim ukrainischen Geheimdienst

Warum konnte die russischen Truppen die Stadt Cherson im Süden der Ukraine so schnell unter ihre Kontrolle bekommen? Präsident Selenskyj hat angekündigt, mehrere Geheimdienstmitarbeiter zu entlassen. Marcel Röthig, Leiter des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Ukraine, schätzt, dass der Inlands-Geheimdienstchef seiner Aufgabe nicht gewachsen war.

Nach der Suspendierung des ukrainischen Geheimdienst-Chefs durch Präsident Selenskyj hat nun auch das Parlament in Kiew der Entlassung zugestimmt. Auch die Generalstaatsanwältin hat ihr Amt verloren. Selenskyj hatte beide Behördenchefs am Sonntag suspendiert. Offiziell geht es um den Vorwurf des Verrats und der Kollaboration mit Russland. Kritiker werfen Selenskyj vor, die beiden Behörden stärker unter seine Kontrolle bringen zu wollen.

Mehrere Vorwürfe

 

Marcel Röthig, Leiter des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Ukraine, nennt einige Auffälligkeiten mit Blick auf die Einnahme der Stadt Cherson. Offensichtlich wussten die russischen Truppen, wo Minen vor Cherson lagen und es gelang ihnen durch das verminte Gebiet durchzukommen. Der suspendierte Inlands-Geheimdienstchef Bakanow komme aus dem Umfeld von Selenskij, sei dessen alter Schulfreund, heute Jurist und eigentlich kein Geheimdienstler, schildert Röthig.

Fass zum Überlaufen gebracht

 

Zudem sei der Leiter des Gebiets Charkiw von Selenskyj wegen angeblicher Untätigkeit entlassen worden. Das "Fass zum Überlaufen" gebracht habe die Festnahme des für die Krim zuständigen Geheimdienstesmannes am vergangenen Samstag, der angeblich für russische Dienste gearbeitet haben soll. Diesen habe Bakanow in den Geheimdienst geholt.