Erdogan und Putin am Verhandlungstisch.
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Interview - Politanalyst Güzeldere: Türkei kann als einzige Russland und Ukraine an einen Tisch bringen

Am Dienstag treffen sich Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit ihrem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi in Teheran. Bei dem Dreiergipfel soll es um Syrien gehen. Aber auch der Krieg in der Ukraine wird wieder Thema sein, sagt der Politikanalyst Ekrem Eddy Güzeldere.

Es ist eine Reise mit Symbolcharakter. Kurz nach dem Besuch von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien fliegt Wladimir Putin am Dienstag nach Iran, zum Erzfeind Saudi-Arabiens. Bei Putins Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi wird auch Recep Tayyip Erdogan dabei sein. Für den türkischen Präsidenten wird es beim Dreiergipfel vor allem um Syrien gehen, sagt der politische Analyst Ekrem Eddy Güzeldere.

"Das Wichtigste für die Türkei ist, dass sowohl Russland als auch der Iran grünes Licht geben für Militäroperationen an der türkisch-syrischen Grenze", erklärt der Mitarbeiter des Thinktanks Eliamep. Die Türkei habe bereits im Juni eine neue Offensive angekündigt, um die kurdische YGP aus der Grenzregion zurückzudrängen. Doch nur mit der Zustimmung von Russland und Iran könne die Türkei auch in den syrischen Luftraum vordringen.

Türkei kann mit Russland und Ukraine verhandeln

 

Wenn Putin und Erdogan in Teheran zusammenkommen, soll aber auch über Korridore für Getreidelieferungen aus der Ukraine verhandelt werden. Schon in der vergangenen Woche sei bei Gesprächen in Istanbul ein erster Fahrplan für solche Korridore erarbeitet worden, sagt Güzeldere. Zuerst müssten aber die Seewege von Minen befreit werden. "Was man bisher hört, ist, dass sich sowohl die Russen als auch die Ukraine darauf einigen könnten, dass beide diese Schiffe kontrollieren, damit keine Waffen transportiert werden."

Insgesamt sei die Beziehung zwischen Erdogan und Putin eine von Interessen geprägte Partnerschaft, die wenig mit Freundschaft zu tun habe, so Güzeldere. Aber beide hätten insbesondere im Nahen Osten oft ähnliche Ziele, die durchaus auch denen des Westens entgegenstehen würden. "Deswegen sind die Gespräche nie abgebrochen und die Türkei kann jetzt sowohl mit der Ukraine als auch mit Russland verhandeln und beide auch an einen Tisch bringen."

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