Eine Hanfpflanze auf einem Feld.
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Interview - Richter: Cannabis-Konsumenten nicht mehr verfolgen

In Berlin findet ab Dienstag Europas größtes Treffen der Cannabis-Branche statt. Es geht um Marktchancen durch die geplante Legalisierung. Der Jugendrichter Andreas Müller rechnet mit einem Gesetz aber erst Ende 2023. Konsumentinnen und Konsumenten müssten dringend schon jetzt entrkriminalisiert werden.

In der Cannabis-Branche herrscht Aufbruchstimmung, denn die Bundesregierung bereitet die Legalisierung vor. Der Jugendrichter Andreas Müller fordert das schon lange, er ist einer der bekanntesten Verfechter der Legalisierung in Deutschland. Ihm gehe der Prozess nicht schnell genug, sagt Müller. "Ich rechne mit einer Legalisierung erst Ende nächsten Jahres." Es werde zu viel im Detail herumgestritten.

Müller: Justiz und Polizei entlasten

 

"Was man jetzt sofort machen müsste wäre eine Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten", sagt der Richter. Von ihnen gebe es viele Millionen in Deutschland, die tagtäglich weiter verfolgt werden, obwohl die Regierung die Legalisierung plane. "Das ist eine unzumutbare Geschichte", sagt Müller. "Ich kriege immer noch Anklagen oder Strafbefehlsanträge mit ein paar Gramm."

Viele Konsumentinnen und Konsumenten dächten, kiffen sei bereits legal, so Müller, und wenn die Bundesregierung nun auch eine Legalisierung plane, brauche es ein schnelles Umdenken. "Dann sollte man sofort hingehen und die Justiz entlasten, die Polizei entlasten, die Staatsanwaltschaft entlasten und man sollte den Menschen die Möglichkeit geben, wie es ja auch angedacht ist, drei Pflanzen zu Hause selber anzubauen."

Minderjährige besser schützen

 

Eine Abgabe an Minderjährige unterstützt der Richter nicht. "Natürlich müssen Jugendliche besonders geschützt werden", sagt Müller. Allerdings müsse man sich bewusst machen, dass Jugendliche weiter Cannabis konsumieren werden - auch nach einer Legalisierung für Erwachsene. "Aber dann haben wir die Möglichkeit des offenen und ehrlichen Umgangs mit den jungen Leuten, und sie kriegen kein Zeug auf dem Schwarzmarkt, was bisweilen gestreckt ist", so der Richter.