Thermometer zeigt Temperaturen über 40 Grad an.
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Interview - Hitzeschutzpläne: "Wir sind viel zu spät dran"

Der Ärzteverband Marburger Bund fordert angesichts der aktuellen Hitzewelle einen nationalen Hitzeschutzplan. Diesen brauche man, um Menschen in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor Hitze zu schützen, sagt Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. Maßnahmen müssten jetzt schnell umgesetzt werden.

Patientinnen und Patienten in allen Gesundheitseinrichtungen müssten vor Hitze geschützt werden, erklärt Bobbert. Es brauche die Hitzeschutzpläne, um Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen konkrete Maßnahmen an die Hand zu geben, wie man die Menschen zum Trinken bewegen könne, Medikamente und Geräte richtig lagere oder die Temperatur in Räumen kühler halte, so Bobbert. Auch bauliche Maßnahmen könnten erforderlich sein.

Bobbert: Kommunen müssen sich beim Hitzeschutz austauschen

 

Wichtig sei vor allem, dass sich jemand in den Einrichtungen für den Hitzeschutz verantwortlich fühle. Lange Zeit sei das nicht so gewesen. Dies sei nun in Bewegung gekommen, aber es müsse schnell mehr passieren. "Wir sind viel zu spät dran - wir sind in diesen Sommer gegangen, da gab es nur ein Krankenhaus, das einen wirklichen Hitzeschutzplan schon umgesetzt hat", sagt Bobbert. Dennoch sei er optimistisch, dass das Thema nun angegangen werde. Seit März gebe es ein Hitzeschutzbündnis für Berlin, bei dem Krankenhäuser, Praxen, Pflegeeinrichtungen und Senat an einem Tisch sitzen. "Da merken wir einfach: Jetzt ist die Akzeptanz aller Beteiligten viel höher als noch vor einem Jahr", sagt Bobbert.

Ein nationaler Hitzeschutzplan sei deshalb wichtig, weil die Kommunen sich austauschen und voneinander lernen könnten. Berlin bekomme viele Anfragen aus anderen Regionen. "Das, was für Berlin gilt, gilt natürlich auch für Nürnberg oder Hamburg, da unterscheiden wir uns nicht", sagt der Präsident der Ärztekammer Berlin. Um Dinge schnell umsetzen zu können, müsse man miteinander sprechen.

Hitzeschutz: "Auf Mitmenschen achten"

 

"Hitze ist eine Gefahr für unsere Gesundheit", betont der Krankenhausarzt. Das gelte besonders für Ältere, aber auch für Kinder und Schwangere. Jeder könne sich selbst vor Hitze schützen. "Genug trinken, nicht zu oft der Sonne aussetzen, das Richtige essen, die richtige Kleidung tragen", rät Bobbert. Aber es sei auch wichtig, auf die Mitmenschen zu achten. "Deswegen sagen wir auch immer, Hitzeschutz ist eine zutiefst gesellschaftliche, solidarische Aufgabe."

TV-Tipp

Das rbb-Fernsehen sendet am 19.7. um 20.15 Uhr ein rbb24 Spezial zur Hitze in Berlin und Brandenburg.

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