harkiw: Ukrainische Soldaten feuern eine von den USA gelieferte M777 Haubitze auf russische Stellungen ab.
AP
Bild: AP Download (mp3, 9 MB)

Interview - Militärexperte Reisner: "Die ukrainischen Streitkräfte werden zunehmend abgenutzt"

Im Krieg gegen die Ukraine konzentriert die russische Armee ihre Angriffe weiter auf die Region Donezk. Markus Reisner von der Militärakademie in Wiener Neustadt glaubt, dass die Ukraine im Osten aktuell auch mit den Waffen aus dem Westen kaum eine Chance hat.

Im Krieg gegen die Ukraine konzentrieren sich die russischen Truppen weiter auf die Region Donezk. Auch nach der Eroberung der Provinz Luhansk rückt die russische Armee weiter vor. Im Osten der Ukraine gebe es inzwischen den befürchteten Abnutzungskrieg, sagt Markus Reisner, Historiker an der Militärakademie in Wiener Neustadt.

Inzwischen würden die ukrainischen Streitkräfte im Osten des Landes zunehmend abgenutzt. Die große Frage sei nun, ob die Ukraine den Verwaltungsbezirk Donezk noch halten könne, so Reisner. Der Militärexperte bezweifelt das. Auch die aus dem Westen gelieferten Waffen könnten die Übermacht der russischen Armee kaum aufhalten. Die acht Raketenwerfer aus dem Westen, die die Ukraine gerade im Osten einsetze, könnten die russische Armee zwar empfindlich treffen. Doch mittelfristig lasse sich die russische Seite davon kaum aufhalten, so Reisner.

Schwere Waffen: Zu spät und bisher zu wenig

 

Die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine sei zu spät erfolgt, kritisiert der Militärexperte. Deswegen gebe es jetzt viel zu wenig schweres Gerät, sowohl um die russische Armee abzuwehren als auch damit die von der Ukraine angekündigte Gegenoffensive wirklich Erfolg haben könne. Darüber hinaus befinde sich auch die Luftverteidigung der Ukraine in einem schlechten Zustand.

Reisner fordert, auf die Empfehlung vieler Experten zu hören: "Entweder man unterstützt die Ukraine massiv, vor allem mit Waffen, dann ist sie in der Lage, diesen Krieg möglicherweise noch für sich zu entscheiden." Aktuell sieht der Militärexperte jedoch eher einen zunehmend bröckelnden Rückhalt für die Ukraine. "Weil in den europäischen Nationen aufgrund des Wirtschaftskrieges zunehmend die Moral sinkt." Das könne verheerende Folgen haben, weil die Ukraine allein nicht mehr viel länger gegen Russland behaupten könne.