Ein WC-Schild mit den Symbolen für Frauen und Männer
Goldmann
Bild: Goldmann Download (mp3, 10 MB)

Interview - Geschlechterdebatte: Gibt es nur zwei oder doch mehr?

Die Humboldt-Universität in Berlin hat einen Vortrag der Biologin Marie-Luise Vollbrecht erst abgesagt - denn es waren Proteste angekündigt. Am Donnerstag wird er nun nachgeholt. Der Titel: "Warum es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt". Worum es in dem Vortrag genau geht und warum er so viel Kritik auslöst, erklärt rbb-Kultur-Redakteurin Heide Oestreich.

Oestreich ist Fachjournalistin für Geschlechterfragen - sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Vollbrechts Vortrag habe folgende Grundaussage, erklärt sie: In der Biologie gibt es Menschen mit Eizellen und Menschen ohne Eizellen - und deswegen gebe es biologisch eben nur Frauen und Männer. Der erste Teil der These stimme, so Oestreich, der zweite jedoch nicht.

Kern des Problems sei die Frage, wer bestimmen dürfe, was Geschlecht genau bedeute, sagt die Fachjournalistin. "Was wir Frauen und Männer nennen, das ist das, was uns als Frauen und Männer sozusagen entgegentritt", sagt Oestreich. "Und wir gucken ja nicht nach: Wie sehen da die Keimzellen aus?" Es gehe bei der Geschlechterfrage eben auch um ein "gesellschaftliches Selbstgespräch".

Dass der Vortrag, der eigentlich für die lange Nacht der Wissenschaften geplant war, abgesagt wurde, halte sie aber für falsch, so die rbb-Redakteurin. "Man hätte sich ja auch den Vortrag vorher mal anschauen können. Der ist sehr, sehr basal. Da geht es wirklich sehr viel um Keimzellen und um Fische und Seeanemonen. Und die politische Debatte, die sich daraus entwickelt, die muss man ja führen."