Zwar haben die Aufräumarbeiten im Ahrtal mit vielen freiwilligen Helfern große Fortschritte gemacht, doch der Wiederaufbau wird trotzdem Jahre dauern.
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Interview - Ahrtal: Heil (CDU) kritisiert bürokratischen Wiederaufbau

Am 14. Juli 2021 führten massive Regenfälle im Westen Deutschlands zu einer verheerenden Flutkatastrophe. Ein Jahr danach sei die Stimmung in der Region nicht gut, sagt Mechthild Heil (CDU), Bundestagsabgeordnete aus Ahrweiler. Durch zu viel Bürokratie in der Verwaltung werde der Wiederaufbau verzögert.

In beiden Bundesländern finden am frühen Abend Gedenkveranstaltungen statt. Dazu werden Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzler Scholz erwartet. "Jeder kommt mit den Geschichten und erinnert sich, man erinnert sich an den Tag, aber natürlich auch an das ganze Jahr, was seitdem passiert ist", sagt Heil.

Heil: Große Enttäuschung über Bürokratie

 

Die Stimmung in der Region sei ein Jahr nach der Katastrophe nicht gut. Nach dem ersten Entsetzen habe es wegen der großen Hilfsbereitschaft der Menschen und des Zusammenhalts für einige Zeit große Dankbarkeit und Euphorie gegeben. "Davon ist eigentlich nicht mehr viel zu spüren", sagt die Bundestagsabgeordnete für den Kreis Ahrweiler. Es gebe zu viel Bürokratie Gelder flössen nicht so, wie es gebraucht würde, das erzeuge bei den Menschen große Enttäuschung. "Und das tut richtig weh, das zu sehen", sagt Heil.

Es habe die Chance gegeben, das Ahrtal zu einer Modellregion zu machen, was den Umgang der Verwaltung mit einer solchen Situation angehe, so die CDU-Politikerin. Leider sei das Gegenteil der Fall. Antragsverfahren würden weiter bürokratisch geführt, obwohl in der Katastrophensituation eigentlich schnelles Handeln gefragt sei. "Man braucht Wochen, bis man ein Ergebnis hat", sagt Heil.

Mehr Personal in Behörden gefordert

 

Auch Baugenehmigungen hätten bisher die wenigsten Betroffenen erhalten. "Die Probleme, oder die Lösungen liegen eigentlich auf der Hand und ich verstehe nicht, dass man da nicht dran geht", sagt Heil. Etwa brauche es dringend mehr Personal in den Behörden.

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