Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin im Abendlicht (Bild: dpa / Jens Büttner)
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Interview - Wirtschaftsexperte: "Gas wird nach Wartung wieder fließen"

Am Montag hat Russland den Gashahn nach Deutschland wegen Wartungsarbeiten vorerst abgedreht. Der Wirtschaftsexperte Michael Harms erklärt, warum er davon ausgeht, dass Nord Stream 1 wieder befüllt wird. Außerdem spricht er über die Folgen der wirtschaftlichen Sanktionen.

"Meine Prognose wäre, [...] dass nach dieser Wartung das Gas wieder fließen wird - vielleicht sogar zu 100 Prozent Nord Stream 1 wieder befüllt wird", sagt Michael Harms, Geschäftsführer des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft. Für diese Einschätzung spielten für ihn besonders zwei Faktoren ein Rolle.

Wirtschaftlich rational brauche Russland die Einnahmen aus dem Gasgeschäft - und anders als beim Öl könne man das Gas nicht einfach umleiten. Zudem sagt Harms: "Gas ist ein langfristiges Geschäft." Das Vertrauen da zu zerstören wäre demnach aus russischer Sicht ein schlechter Schritt. Schon vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei das Ende der fossilen Brennstoffe klar gewesen. Dennoch diene Gas als Brückentechnologie.

Wirtschaftsexperte Harms: Deutschland kann eingebrochene Exporte nach Russland weltweit kompensieren

 

Inzwischen seien es nur noch wenige Firmen, die ihre Geschäfte mit Russland weiter betreiben. Dazu gehörten etwa Firmen, die ihr Pharmageschäft aufrechterhalten. Das sei auch aus humanitären Gründen gegenüber der russischen Bevölkerung der Fall, erklärt der Wirtschaftsexperte.


Grundsätzlich seien deutsche Exporte nach Russland um 50 Prozent gesunken im Vergleich zum Vorjahresmonat. Deutschland könne das aber kompensieren, weil die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen, Maschinenprodukten, Technologien oder chemischen Erzeugnissen weiterhin hoch sei. "Aber Russland ist mittelfristig auf diese Produkte, auf diese Technologien schon sehr angewiesen." Daher werden nach Einschätzung von Harms die Probleme durch die verhängten Sanktionen in Zukunft noch auf Russland zukommen.

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