Der russische Außenmister Sergej Lawrow beim G20-Gipfel der Außenministerinnen und -Außenminister in Indonesien.
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Interview - Politologin: Russlands Macht ist durch den Krieg geschrumpft

Wie ist die Position Russlands in der internationalen Gemeinschaft? Das Land versuche zwar den Eindruck zu erwecken, dass es international nicht isoliert sei, sagt die Politologin Liana Fix. Der Ukraine-Krieg habe Russlands globaler Stellung aber schwer geschadet.

Beim Treffen der G20-Außenministerinnen und -minister hat der Russe Sergej Lawrow für einen Eklat gesorgt: Er verließ direkt nach seiner Rede den Saal. "Wir beobachten schon länger einen Niedergang der Diplomatie in Russland, insbesondere auch der Rolle von Lawrow", sagt Fix. Der Außenminister spiele nicht mehr die wichtige Rolle, die er einst innegehabt habe.

Krieg gegen Ukraine war ein strategischer Fehler

 

"Mittlerweise wird Außenpolitik in Russland gestaltet vom russischen Präsidenten selbst und von einer kleinen Entourage aus Sicherheitskräften, aus der Armee, aus den Geheimdiensten", sagt Fix. Viele Hinweise deuteten darauf hin, dass Lawrow in die Planungen des Kriegs gegen die Ukraine nicht eingebunden war, vielleicht sogar lange Zeit nicht wusste, dass der Krieg stattfinden werde, so die Politologin von der Körber-Stiftung.

Russland versuche weiterhin den Eindruck zu erwecken, dass es international nicht isoliert, sondern ein geschätzter Partner sei. "Tatsächlich war allerdings der Krieg gegen die Ukraine ein Schock für fast die gesamte Welt", sagt Fix. Es gebe zwar Ländern, die versuchten aus der Situation Vorteile zu erlangen. Für die globale Situation Russlands sei der Krieg aber eindeutig ein strategischer Fehler gewesen, so Fix. "Russlands militärische, politische und auch diplomatische Macht ist durch diesen Krieg in der Ukraine ganz klar geschrumpft."

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