Soldaten steigen nach ihrem Abzug aus Afghanistan aus Transportflugzeugen der Bundeswehr nach der Landung auf dem niedersächsischen Stützpunkt Wunstorf (Bild: dpa / Daniel Reinhardt)
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Interview - SPD-Politiker Stegner: Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan war "ein Desaster"

Der Bundestag will am Donnerstag einen Untersuchungsausschuss zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan beschließen. Der designierte Vorsitzende des Ausschusses Ralf Stegner (SPD) will klären, wie die Bundesregierung und andere Länder die Lage damals so falsch einschätzen konnten.

Nach zwanzig Jahren beendete die Bundeswehr im Sommer 2021 sehr kurzfristig ihren Einsatz in Afghanistan. Wenig später übernahmen die Taliban wieder die Macht im Land. Die anschließende internationale Evakuierungsaktion für die von den Taliban bedrohten Menschen lief unter chaotischen Umständen ab. Diese Ereignisse soll jetzt ein Untersuchungsausschuss aufarbeiten.

SPD-Politiker Ralf Stegner ist der designierte Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, der am Donnerstag vom Bundestag eingesetzt werden soll. Er will herausfinden, wie die Taliban Afghanistan innerhalb kürzester Zeit wieder übernehmen konnten und wie die Einschätzungen zur Stärke der Taliban nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch in den USA so falsch sein konnten.

Chaotischer Abzug darf sich nicht wiederholen

 

"Wenn wir Soldatinnen und Soldaten, aber auch zivile Hilfskräfte in solche Gegenden schicken, dann kann man das nicht einfach achselzuckend hinnehmen, dann muss man fragen, woran lag es?" Dafür will sich Stegner einerseits mit den politischen Verantwortungsträgern befassen. Andererseits will der SPD-Politiker die Ursachen für das chaotische Ende der Afghanistan-Mission ergründen. "Gab es keine Notfallpläne? Waren die nicht ausgereift genug? Und wie war die Kommunikation mit den Verbündeten?"

Die Bilder von Menschen, die verzweifelt versuchen, an Bord der letzten internationalen Flugzeuge raus aus Afghanistan zu kommen, hätten verdeutlicht, dass der Abzug der Bundeswehr am Ende ein Desaster gewesen sei, so Stegner. Damit sich so etwas nicht wiederhole, müsse die letzte Phase des Einsatzes dringend aufgearbeitet werden.