Windpark beim ostwestfälischen Ort Energiestadt Lichtenau, viele Wohnhäuser mit Photovoltaik Anlagen auf den Dächern, über 80 Windkraftwerke auf dem Hügel dahinter (Bild: picture alliance)
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Interview - Ökonom zu Energiekrise: "Nur eine sinnvolle Antwort: Erneuerbare Energien"

Bis 2030 sollen 80 Prozent der Stromproduktion in Deutschland aus Erneuerbaren Energien kommen. Lion Hirth von "Neon Neue Energieökonomik" sagt, Windkraft- und Photovoltaikanlagen seien eine kostengünstige Alternative zu Gas, daher müssten sie schnell ausgebaut werden.

Der Umstieg auf Erneuerbare Energien sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt Lion Hirth, Gründer und Direktor von "Neon Neue Energieökonomik". Das ist ein in Berlin ansässiges Beratungsunternehmen für die Energiewirtschaft und für politische Entscheider.

"Durch die Krise, dass uns Putin Schritt für Schritt den Gashahn weiter zudreht, ist dieses Problem von einer Generationenaufgabe zu einem ganz akuten und dringenden Problem geworden", so der Ökonom Hirth. Die Vision für Gas als Brückentechnologie sei diesen Winter gestorben - die Gaskraftwerke seien da, es gebe aber nicht genug Gas, um diese zu betreiben.

Ökonom: Bisher 50 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien

 

Als Gesellschaft brauchen wir weiter Energie und diese müsse irgendwo herkommen, so der Experte weiter: "Es gibt nur eine gute und sinnvolle Antwort. Und die heißt eben Erneuerbare Energien." Bisher habe man viel erreicht. Inzwischen werde 50 Prozent des Stroms bereits aus Erneuerbaren Energien gewonnen. Die Wärmeversorgung und der Transport hingegen hätten einen geringeren Anteil.

Windkraft- und Photovoltaikanlagen könnten kostengünstig einen großen Teil sauberen Stroms produzieren. "Die grundlegenden technoökonomischen Fragen sind geklärt. Und wir müssen als Gesellschaft [...] deutlich mehr von diesen Anlagen bauen, in deutlich größerer Geschwindigkeit", so Hirth.

Lion Hirth: Strom aus Gas aktuell zehn Mal teurer als aus Windkraft und Solarzellen

 

Strom aus Gaskraftwerke koste aktuell 300 bis 500 Euro pro Megawattstunde, Strom aus Windkraftanlagen oder Solarzellen koste 50 Euro pro Megawattstunde. "Wer sagt, ich möchte keine Windkraftanlagen, muss gleichzeitig auch sagen, ich bin bereit zehn Mal mehr für Strom zu zahlen", so Lion Hirth, Gründer und Direktor von "Neon Neue Energieökonomik".

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