Symbolbild: leerer Klassenraum
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Interview - Bildungsexperte: Lehrkräftemangel erfordert unkonventionelles Denken

20 000 Lehrkräfte könnten bis zum Jahr 2025 fehlen. Angesichts dieser Perspektive fordert der Bildungsexperte Dirk Zorn, neu zu denken: Lehrkräfte sollten sich auf Basisfächer konzentrieren und weniger betreuen, Sportunterricht etwa könne von Vereinen gestaltet werden.

Über 900 Lehrkräfte fehlen derzeit in Berlin - bundesweit rechnet die Kultusministerkonferenz mit einer Lücke von 20 000 Lehrkräften im Jahr 2025. Da sei einiges "verschlafen" worden, sagt Dirk Zorn, Bildungsexperte von der Robert Bosch Stiftung. Die Politik habe zu langsam darauf reagiert, dass viele Lehrerinnen und Lehrer in Rente gehen und mehr Schülerinnen und Schüler nachkommen.

Möglichst wenig fachfremd unterrichten

 

Nun zwinge der Lehrkräftemangel dazu, unkonventioneller zu denken - dass das gehe, habe auch die Pandemie gezeigt, so Zorn. Lehrkräfte müssten sich auf ihre wichtigsten Fächer konzentrieren dürfen und sollten so wenig wie möglich fachfremd unterrichten, so der Bildungsexperte. Sportunterricht etwa könne in Kooperation mit Vereinen angelegt werden, eine Begleitung der Lehrerinnen und Lehrer als Betreuung zum Schwimmunterricht sei wenig sinnvoll.

Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik nicht vernachlässigen

 

Wichtig ist laut Zorn vor allem, die Basiskompetenzen nicht zu vernachlässigen. Denn es zeige sich: Die Leistungen seien schlechter geworden. Einer Studie zufolge haben Grundschulkinder in Deutschland zunehmend Mathe- und Deutschprobleme und sind im Zehn-Jahres-Vergleich in ihren Kompetenzen deutlich zurückgefallen. Das zeigte eine von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellte Studie, die im Abstand von fünf Jahren den Stand bei Viertklässlern repräsentativ untersucht.