Archivbild: Frauenrechtlerinnen demonstrieren in Mexiko für das Recht auf Abtreibung (Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com)
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Interview - Frauenrechtlerin: Regierungen müssen Bedingungen für legale Abtreibungen schaffen

In El Salvador ist eine junge Frau zu langer Haft wegen einer vermeintlichen Abtreibung verurteilt worden. Katharina Masoud von Amnesty International erklärt, warum die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen das Recht auf körperliche Selbstbestimmung verletze.

Der Fall von Lesli Lisbeth Ramírez, die wegen eines vermeintlichen Schwangerschaftsabbruchs zu 50 Jahren Haft verurteilt wurde, sei nichts Ungewöhnliches, sagt Katharina Masoud, Expertin für Frauenrechte bei Amnesty International in Deutschland.

Seit dem Jahr 2000 hätten lokale Frauenorganisationen in El Salvador über 180 Fälle dokumentiert, in denen Frauen aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen angeklagt wurden, so Masoud. "Aber dass tatsächlich diese Höchststrafe verhängt wurde, das haben wir bisher nicht erlebt."

Amnesty International: "Das totale Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in El Salvador stellt ganz klar eine Menschenrechtsverletzung dar"

 

Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen - auch im Falle einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Frau - verletzte das Recht auf körperliche Selbstbestimmung, so die Expertin für Frauenrechte. Zudem sei es eine Form der Frauendiskriminierung. "Statt Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten, müssten Regierungen strukturelle Bedingungen schaffen, unter denen alle Menschen, die schwanger werden können, selbstständige Entscheidungen über ihren Körper und ihre Sexualität und ihre Reproduktion zu treffen."

Zudem seien häufig Frauen aus ländlichen Gebieten mit geringer Bildung und ohne Zugang zu modernen Verhütungsmitteln von den Urteilen betroffen. Auf der anderen Seite gebe es eine Gegenbewegung in lateinamerikanischen Ländern, so hätten zuletzt Kolumbien, Argentinien und Mexiko die Rechte bei Schwangerschaftsabbrüchen gelockert, erklärt Katharina Masoud, Expertin für Frauenrechte bei Amnesty International in Deutschland.

Hintergrund

Frau nach angeblicher Abtreibung zu 50 Jahren Haft verurteilt -

Nach der Verurteilung einer 21-jährigen Frau in El Salvador zu 50 Jahren Haft wegen einer
vermeintlichen Abtreibung haben Frauenrechtlerinnen scharfe Kritik geübt. "Der salvadorianische Staat hat einmal mehr seine Wut an Frauen ausgelassen, die weder die Rechte noch die Voraussetzungen haben, um sich zu verteidigen", erklärte Morena Herrera, Leiterin der feministischen Bürgerinnengruppe für die Entkriminalisierung der Abtreibung, am Montag.

Die Organisation hatte die junge Frau während des Verfahrens begleitet und spricht von einer Fehlgeburt. Die damals 19-Jährige habe das Kind unbeabsichtigt verloren. Die Frau wurde bereits am 29. Juni wegen Mordes verurteilt. Die Gerichtsentscheidung wurde jedoch erst jetzt bekannt.

In El Salvador sind Abtreibungen grundsätzlich verboten. Das aktuelle Fall ist jedoch der erste, in dem ein Gericht die maximale Strafe von 50 Jahren verhängt. Immer wieder erhalten Frauen in El Salvador auch bei Fehlgeburten hohe Strafen. Häufig wird ihnen unterstellt, dass sie abgetrieben hätten.

Quelle: epd