Nyke Slawik von den Grünen im Bundestag
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Interview - Slawik: "Transsexuellen-Gesetz war höchst problematisch"

Nyke Slawik und ihre Fraktionskollegin Tessa Ganserer von den Grünen sind die ersten offen transgender lebende Frauen im Bundestag. Sie wollen nun ein Selbstbestimmungsgesetz auf den Weg bringen. Viele Punkte des alten sogenannten Transsexuellen-Gesetz - kurz TSG - seien bereits vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden, erklärt Slawik.

So stand in dem Gesetz von 1980, dass eine betroffene Person nicht verheiratet sein darf, sagt die Grünen-Politikerin. "Das bedeutet, dass viele Transpersonen bis 2009 sich haben scheiden lassen müssen, wenn sie verheiratet waren", so Slawik. Erst dann habe das Bundesverfassungsgericht diesen Teil des Gesetzes gekippt. Das Gleiche gelte für die Auflage, "eine dauerhaft fortpflanzungsunfähig machende Operation zu machen", erklärt sie. "Transpersonen ist die Möglichkeit genommen worden, selber eine Familie zu gründen."

Auch dieser Teil des TSG sei von Karlsruhe inzwischen abgeschafft worden. "Aber wir haben jetzt eben immer noch diese Zwangsbegutachtung, obwohl selbst die Weltgesundheitsorganisation so weit ist, zu sagen: Transidentität ist keine psychische Krankheit", kritisiert Slawik. In Deutschland müssten betroffene Menschen aber noch immer eine Begutachtung von einer Psychiaterin oder einem Psychiater einholen und ein Gerichtsverfahren anstreben, so die Grünen-Politikerin.

"Und das verstößt massiv - unseres Erachtens - gegen die Selbstbestimmung, gegen die Würde von Menschen, weil sie auch sehr entwürdigende Fragen über sich ergehen lassen müssen in diesen Begutachtungen", sagt Slawik. "Und deswegen war unser großes Versprechen, das wir im Koalitionsvertrag verankert haben und jetzt endlich umsetzen mit einem Selbstbestimmungsgesetz, dass die vielen hunderttausend Menschen in Deutschland, die trans, intergeschlechtlich, nicht-binär sind, endlich selber bei ihrem Personenstand entscheiden können, unter welchem Geschlechtseintrag sie geführt werden wollen und unter welchem Vornamen sie geführt werden wollen."