Symbolbild Verbrenner-Aus: Ein symbolischer Holzstempel mit der Aufschrift "Verbrennerverbot", gehalten von einer Hand im Anschnitt vor einer EU-Flagge auf einer Betonwand mit Riss als Hintergrund (Bild: dpa)
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Interview - EU-Beschluss: Verbrenner-Aus mit Hintertür

Die Entscheidung der EU-Umweltminister, dass ab 2035 Neuwagen in der Europäischen Union emissionsfrei sein sollen, wirft Fragen auf. Autohersteller und Zulieferer müssen sich schnell umstellen, wenn sie es noch nicht getan haben, sagt Stefan Bratzel, Experte für Zukunftsfragen der Mobilität und Automobilwirtschaft.

Ab 2035 sollen nur noch klimaneutrale Autos neu zugelassen werden, das haben die EU-Umweltminister beschlossen. Doch was bedeutet das genau? Stefan Bratzel ist Experte für Zukunftsfragen der Mobilität und Automobilwirtschaft und Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Alternative E-Fuel deutlich weniger effektiv

Er interpretiert die Entscheidung als Aus für den Verbrenner – mit einem Hintertürchen: Einerseits werde hier das Elektro-Auto quasi als Standard für Neuwagen festgelegt, was ein wichtiger Fokus für Hersteller und Zulieferer sei – andererseits werde geprüft, inwiefern E-Fuels – Aus erneuerbaren Energien synthetisch gewonnene Kraftstoffe - für Verbrenner genutzt werden könnten und das dann noch erlaubt sei.

Daran sei prinzipiell nichts auszusetzen, so Bratzel, aber: "Wenn ich regenerativen […] Strom ins Elektrofahrzeug lade, beträgt der energetische Wirkungsgrad 70 Prozent, also 70 Prozent des Stroms kommt am Rad an. Bei synthetischen Kraftstoffen ist der energetische Wirkungsgrad ungefähr bei 15 bis 20 Prozent. Ich brauche also […] sehr viel mehr Energie."

Deutsche Hersteller gut auf die Zukunft eingestellt

Die deutschen Automobilkonzerne seien gut auf die Umstellung auf Elektro-Autos vorbereitet, dennoch gibt es Baustellen: Erheblichen Handlungsbedarf gebe es bei der Infrastruktur, sprich Ladestationen und Ertüchtigung der Verteilnetze. Außerdem müssten in kürzester Zeit genügend Rohstoffe – insbesondere für Batterien – herangeschafft werden, so Bratzel.

Für Zulieferer bedeute der Umstieg, dass künftig sehr viel weniger Teile produziert werden müssen, weil Verbrennermotoren aus viel mehr Einzelteilen bestünden. Insofern müssten sich auch diese Betriebe schnell umstellen – was die pfiffigen bereits getan hätten, sagt Bratzel: "Wer den Schuss vor Jahren nicht gehört hat, der war schlecht beraten."

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