Die Beteiligten in einem Prozess gegen einen mutmaßlichen ehemaligen KZ-Wachmann stehen im Gerichtssaal.
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Interview - Fünf Jahre Haft für ehemaligen KZ-Wachmann

Das Landgericht Neuruppin hat einen 101-Jährigen wegen Beihilfe zur Ermordung von 3500 Menschen im KZ Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, sagt: Nicht die Höhe des Strafmaßes sei wichtig für die Nachkommen, sondern dass es überhaupt ein Urteil gebe.

 

Das Landgericht Neuruppin hat einen früheren Wachmann im Konzentrationslager Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 101-Jährige sich der Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen schuldig gemacht hat. Der Angeklagte hatte stets bestritten, in dem KZ tätig gewesen zu sein. In Sachsenhausen wurden bis 1945 Zehntausende Menschen ermordet oder kamen auf andere Weise ums Leben.

Laut dem Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, sei es für die Holocaust-Überlebenden und ihre Familien nur wichtig, dass es ein Urteil gebe, nicht die Höhe des Strafmaßes. Derartige Prozesse seien in Deutschland über Jahrzehnte verschleppt worden.

Für die Frage der Schuld sei es auch nicht von Bedeutung, welche Tätigkeit jemand in einem KZ ausgeübt habe. Heubner zitiert eine KZ-Überlebende aus Budapest: "Jeder, der im KZ Dienst getan hat, […] war Herr über Leben und Tod über jeden Einzelnen von uns. […] Er war individuell in der Lage, uns spontan zu töten, zu schlagen, zu treten, zu erschießen."

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